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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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die Regierung seines Landes sich nie bedenken würde, ihm volle Genugthuung zu verschaffen, sey es mit Güte oder Gewalt“, das Wort trägt jeder Brite im Herzen, es steht ihm geschrieben auf der stolzen Stirn, und es ist seine Sicherheitskarte in jedem Winkel der Erde. Und dieses Sicherheitsgefühl, das wir Deutsche gar nicht fassen können, weil wir es nie gekannt haben, stählt seinen Unternehmungsgeist und hat bewirkt, daß er die übrige Welt, welche sein Schwert und sein Dreizack nicht bezwang, sich tributpflichtig machte durch seinen Handel und sie überwand durch seine Industrie. Mit der Maschinenwelt, die der Briten kunstreicher Geist sich schuf, mit dem dienstbaren Heere der Dämonen, die des Feuers Flamme aus dem gebannten Wasser beschwört, mit dem Kapital, das, im Bunde mit diesen Kräften, das Ungeheuerste so leicht schafft, als wäre es Kinderspiel, legt er ein eisernes Band der Dienstbarkeit um die Erde und umspannt er alle Völker mit einem Netze, in dem sich Alle winden und Viele verbluten.
Aber an dieser so herrlichen Blüthenkrone nagen doch Würmer und das Verderben guckt aus unzähligen Keimen. Die britische Aristokratie ist seit ein Paar Jahrzehnten in einer ihrem Werthe und ihrer Achtung großen Abbruch thuenden Verwandlung begriffen. Sie fault gleichsam im Uebermaß der strotzenden Säfte, sie wird unthätig, stolz, wegwerfend, übermüthig, geistlos, gemein; sie bringt sich mehr und mehr in schroffen Gegensatz zu den mittlern Klassen und hat sich vom Volke gänzlich geschieden. Der Klerus macht’s nicht besser. Er entfremdet sich seiner frühern Stellung; des Nimbus gänzlich baar, und von der Idee seines Berufs verlassen, wird er täglich mehr vom Irdischen befangen, hinabgezogen zum politischen Faktionsleben, und träge, feist, prosaisch und profan, der Heuchelei in Glaubenssachen blind ergeben, drückt er das Pfaffenthum in seiner widrigsten Erscheinung aus. Die Wissenschaft, von der Kirche geknechtet, hört auf zu schaffen, und sie bringt, einige Disciplinen ausgenommen, schon lange nichts mehr hervor, was sie fördert. Sie verknöchert auf den Universitäten in der elendesten Pedanterie, ist nüchtern, stationär, todt, mechanisch geworden, richtet ihr Wirken fast ausschließlich auf das Nützliche; die Spekulation ist kraftlos, allem Fortschritt gram, sich selbst vernichtend. Die Gesetzgebung häuft ihre Akten zu Bergen an, – Masse auf Masse seit Jahrhunderten, – so daß kein Mensch das Chaos mehr übersehen, der unzähligen Widersprüche, in welchen jeder Rabulist das klarste Recht umgarnen und ersticken mag, sich erwehren, oder vor ihnen sich schützen kann. Auch der Bürgerstand ist nicht mehr, was er gewesen. Er ist nicht mehr die kompakte Masse voll Ehrenhaftigkeit und Kraft mit dem Gefühl der Unabhängigkeit in jedem Busen. Seitdem die Großindustrie an die Stelle des Handwerks und der kleinen Fabrikation getreten ist, hat sich die herzlose Klasse der Industriellen ausgeschieden, welche, jeder in seinem Kreise, eine drückendere Herrschaft üben, als der Ritter in der Feudalzeit über seine Leibeigenen. Die Handwerker sind diesen Tyrannen der Neuzeit großentheils dienstbar gemacht worden, und das Verhältniß zwischen Meister und Gesellen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/40&oldid=- (Version vom 26.4.2025)