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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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stehen die Dinge (noch mehr in Irland, als in England) so, daß es dem Proletariat nur an einigen großen, charakterstarken, kühnen Häuptern fehlt, um den gewaltsamen Ausbruch herbeizuführen und mit ihm einen Kampf hervorzurufen, welcher, würde er auch noch vielmal unterdrückt, doch nicht eher enden wird, als bis das größte, bewundernswürdigste Werk menschlicher Weisheit, zu dessen Gestaltung ein Jahrtausend nöthig war, von der Erde verschwunden ist.
Aus dem dunkeln chaotischen Zwiespalt der Gegenwart flüchtet mein Seherblick zurück auf das stille, friedliche Bildchen, die Wiege all dieser bedrohten Größe und Pracht – auf den Ausgangspunkt meiner Betrachtungen. Diese sind zu Ende und was übrig bleibt, ist das beschreibende Wort.
Der Tower von London ist die älteste Residenz der britischen Könige seit der normännischen Eroberung. Der eigentliche Palast, der sogenannte weiße Thurm, ist jenes hohe Viereck mit den vier Eckthürmchen. Er wurde von Wilhelm dem Eroberer im Jahr 1078 auf der Stelle errichtet, wo einst die Burg der römischen Statthalter gestanden hatte, und noch führt ein sehr altes Gebäude den traditionellen Namen: Cäsars Thurm. Der Tower liegt am östlichen Ende der Londoner Altstadt (der City), von der Themse durch einen schmalen Steinwall geschieden. Er ist mit Wällen, Bastionen und einem tiefen Graben umgeben, welcher aus dem Strome Wasser durch einen Kanal empfängt. Außer dem Palaste enthält er eine Kaserne für die Besatzung und die Wohngebäude der vielen Beamten. Jene bilden ein Paar kleine, enge Straßen. Die Form des Grundplans ist rund, der Durchmesser etwa 1100 Fuß, der Umfang ¼ Stunde. Die kleine Besatzung, deren Zahl ohne Genehmigung des Londoner Stadtraths nicht vergrößert werden darf, wird täglich gewechselt. Zahlreicher als die Soldaten sind die Kanonen, welche ihre schwarzen Rachen aus den Schießlöchern der Mauern und von den Bastionen auf Stadt und Hafen richten. Auch auf der Terrasse an der Themse stehen 60 Stück von großem Kaliber. Es sind „gute alte Jungen, die Keinem ein Leid anthun“, sagt der Londoner Bürger, und in der That haben sie seit drei Jahrhunderten, trotz allen Volksaufläufen und Tumulten, nur die Anzahl der Wochenbetten der Königinnen ausgerufen, oder Kronenträger begrüßt, oder Toaste bei Nationalfesten begleitet. In England wird der Pöbel nicht alsbald mit Shrapnels regalirt, wie der Pariser, der Berliner und Wiener, wenn er Krawall macht. Als ich im Jahre 1817 den Demokraten Hunt mit seinen Hunderttausenden durch die Straßen der Weltstadt ziehen sah, von einem Ministerhotel und einem Königshause zum andern, da verschlossen die Kasernen ihre Thore, die Minister bezahlten die zerbrochenen Scheiben und kein Soldat war zu sehen; am andern Tage sprach Niemand mehr davon, so wenig machte man daraus. Ich sah dem damals allmächtigen Castlereagh, welcher zufällig in eine solche Demokratenversammlung gerathen war, die Pferde seines Wagens ausspannen und ihn selbst unter dem „höllischen Gelächter“ der zahllosen Menge auf eine Tonne heben, die auf einem umgestürzten Karren stand, Hunt
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 35. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/43&oldid=- (Version vom 26.4.2025)