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für gute Augen. Ein Spaziergang zwischen den Buch-Schränken, diesen Katakomben der Geister, gibt zwar keine Geschichte der Wissenschaften, aber einen Fingerzeig auf die des Lebens. Jeder Einband erzählt von seiner Zeit, vom festen Mönchsband an, der die Wissenschaft in Holz und Schweinsleder mit metallenen Ecken und messingenen Klausuren verwahrt, bis zum lüderlich-broschirten Neuling. Hieroglyphen sind überall hingeschrieben, und zum Verständniß bedarf’s keines Champollion; es genügt ein offener Kopf und ein warmes Herz.

Am allerleichtesten ist die Chiffreschrift in den Werken der Baukunst zu lesen. Ihre Züge sind so groß, daß sie auch für blödere Augen noch kenntlich sind. Ein Beispiel für viele.

Wir wollen uns dies Mal nicht mit dem klassischen Alterthume und dem Mittelalter zu schaffen machen, so reich auch der Stoff ist, und so sehr er lockt. Wir wollen uns an das halten, was alte Leute und unsere Väter noch mit eigenen Augen gesehen haben. Es ist auch die Zeit der preußischen Thaler.

Zu Anfang dieser Zeit wurden die Ruinen der Ritterburgen und Bergschlösser nicht geschont, und noch weniger dachte man an’s Restauriren. Dagegen baute man, oft mit unglaublichem Kostenaufwand, in die Winkel der steifen Schloßgärten künstliche Ruinen auf gemachte Felsen. Diese Gärten und Felsen und Ruinen sind das getroffenste Bild des Staatslebens ihrer Zeit. Es dauerte der Spuk, bis die große französische Revolution kam und den Plunder zur rechten Würdigung brachte. Die Bewunderung schlug in Spott um, man lachte nur noch über die Narrheit.

Nun folgt die Geschichte der neuern politischen Baukunst. Sie beginnt recht eigentlich mit den Befreiungskriegen. Der Wiederaufbau von Kaiser und Reich war mißlungen, weil die Geschichte des babylonischen Thurmbaues sich in Deutschland wiederholt hatte: die Sprachverwirrung zu Wien hatte die deutschen Volksstämme, die erst zur gemeinsamen Arbeit so treu vereinten, auseinander getrieben. So ging denn hin Jegliches in seine Heimath und wurde Eins dem Andern fremd. Nach lange gepflegtem Unmuth suchte man einen Trost und fand ihn in der nächsten Umgebung und in der Vergangenheit. Da ging’s denn an ein Unterhalten der Ruinen und an ein Sammeln, Bewahren und Lobpreisen „vaterländischer Alterthümer.“ Wer die Fürsten für dumm hält, irrt sich. Ihre stille Korrespondenz hatte sie längst belehrt, daß man im Volke auf dem besten Wege sey, sich in die Urwälder der Stammbäume zu verirren und darinnen wieder in die alte deutsche treue Bewunderung alles Angestammten zu versinken und auf den Moosbänken der Gnade sanft einzuschlummern. Das mußte gefördert werden, und die Fürsten thaten’s. Es erschienen Gesetze zur Erhaltung verrotteter Stadtmauern und von Schutt aller Art; ja die alten Burgen erstanden in neuer Pracht. Das Volk freute sich: es ahnete nicht, daß mit diesem Restauriren die Restauration im Staate selbst begann. Es freute sich und restaurirte mit! Das Mittelalter feierte ein Auferstehungsfest! In Domen und Rathhäusern, in Schlössern und Burgen, in Schulen und Kasernen wurde restaurirt. Die Ritterlichkeit fand wieder ihr Lob in der Könige Mund als hohe, schöne Tugend. Aber nicht bloß Talare und Ehrenketten,