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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Waffenröcke und Pickelhauben traten wieder aus der Dämmerung des Mittelalters hervor; die Nacht selbst erschien mit all ihren Windlichtern. Kloster auf Kloster erstand, die Sonne mußte durch gemalte Scheiben in die düstern Tempelhallen dringen, ewige Lampen wurden vor Heiligenbildern gestiftet und die Lichter in den Köpfen ausgelöscht. Und wie schön waren die Ordenskapitel, wo die Könige mit dem prächtig glänzenden Schwert Krüppel an Körper und Geist zu den herrlichsten Rittern schlugen! Wie mußte da hervortreten aus den Schatten der alten Zeit der Glanz der deutschen Kaiser und des Reichs!
Und war denn nicht auch dem Bürger, namentlich in den ehemaligen freien Reichsstädten, die den Kontrast zwischen Sonst und Jetzt am tiefsten fühlten, die Sehnsucht nach dem Alten zu verzeihen? – Erstand doch auf dem Grab der Volksfreiheit die von Fürsten und Großen gepflegte Kunst! Ihr reiner Glanz mußte das Scheusal der Restaurationspolitik überdecken!
In diese Zeit und zu diesen Werken gehört die Wiederherstellung der Kaiserburg zu Nürnberg, so wie die des Kaisersaals im Römer zu Frankfurt a. M. In diesen alten von Kaiser und Reich abgenutzten und unter der Restauration wieder aufgeputzten Räumen des Römers – denn römisch, nicht deutsch, war ja der Kaiser-Herrlichkeit Ursprung und Weihe! – in dieser Stadt des deutschen Bundestags, auf den vom häßlichen Gewürm unterwühlten und durchkrochenen Trümmerwerk des umgestoßenen Staatsbaus, sollte der Grundriß entstehen zum Bau des neuen Deutschlands.
Einen Neubau von Grund aus verlangte die siegesfrohe und hoffnungsselige deutsche Nation. Die Werke der Restauration waren ihr endlich im rechten Lichte erschienen, in dem Lichte, welches die Märzsonne von 1848 auf sie warf. Zum ersten Mal schauderte sie zurück vor ihrem eigenen Bild in dem Spiegel, welchen der Bundestag selbst am ersten Märztage ihr vorhielt. Sie ahnte, wie tief sie in der Achtung der Welt gesunken seyn müsse, wie tief sie dastehe in ihrer restaurirten Erbärmlichkeit, wenn sogar der Büttel ihres langen Gefängnißlebens, wenn der Bundestag „mit voller Zuversicht vertraue auf ihren, in den schwierigsten Zeiten stets bewährten gesetzlichen Sinn, auf ihre alte Treue und ihre reife Einsicht!“ Die Schmach dieses Lobes mußte abgewaschen werden.
Daher sandte, um den Grundriß zu entwerfen zum Neubau von Deutschland, die Nation ihre Werkmeister in die alte Bundesstadt. Sie schickte sie mit der Erwartung, „daß jeder Mann seine Schuldigkeit thun werde“. – Sie hoffte und harrte; doch Nelson war glücklicher als – Michel. Jener hatte zu Männern gesprochen, welche ihr Vaterland liebten. Mit steigendem Unwillen, mit Gram und mit Zorn betrachtet seitdem die Nation Zug um Zug im entstehenden Plan, und trauernd und ergrimmt erkennt sie in dem Werke pflichtvergessener Baumeister abermals einen Restaurationsplan für ein eingefallenes Haus. Wer hat Das verschuldet? – Leider! muß die Nation auf die eigene Brust zeigen und sprechen: Ich selbst! Wie die Wahl, so die Meister, und wie die Meister, so das Werk.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 44. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/52&oldid=- (Version vom 2.5.2025)