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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Etablissement, hervorgerufen durch den Patriotismus einiger Kapitalisten, hat sich nach langem, schweren Kampfe durch den ausdauernden Muth eines seiner Interessenten (Freiherrn v. Arnim auf Planitz) zu einer festen Existenz emporgerungen: das Eisenwerk Marienhütte zu Kainsdorf. Es fertigt hauptsächlich Schienen für den Bau der sächsischen Staatseisenbahnen. Außer diesem Werke, das im Stande ist, 50,000 Zentner Walzeisen zu fertigen, nutzen eine Glas-, eine Porzellanfabrik und viele Ziegeleien die reichlich vorhandenen Rohstoffe.
Nichts Anmuthigeres ist im ganzen Voigtlande, als die Lage von Zwickau. Wie eine bekränzte Braut liegt die von Gärten und Anlagen umgebene Stadt in einem schönen Thale, das die Mulde durchschlängelt, und die Menge Dörfer mit den großen, ja theilweise eleganten Wohnungen und die sorgfältig bebauten Fluren sind Zeugen von dem Fleiß und Wohlstand der Bewohner und nicht minder von der Fruchtbarkeit des Bodens. Eine eigenthümliche Zierde wird dem Fernblick der Stadt durch die Menge schlanker Säulen, welche sich im Süden der Stadt über einzelne Gebäude erheben und Rauchwolken ausstoßen. Es sind dies die Dampfessen der Steinkohlengruben, welche Tausende ernähren und den Wohlstand der ganzen Gegend mit begründen.
Die Stadt selbst ist eben nicht schön. Straßen und Plätze sind unregelmäßig, und selten sieht man ein Haus, das durch Bauart und Größe sich auszeichnet. Allein das Ganze hat das wohlthuende Gepräge des bürgerlichen Behagens, und die Lebendigkeit und Rührigkeit auf den Straßen läßt auf den ersten Blick erkennen, daß der Fleiß hier zu Hause ist und die städtischen Gewerbe blühen. Die Ursache, welche all das Leben hauptsächlich schafft, ist bald sichtbar. Langen Zügen von Kohlenwagen begegnet man auf allen Hauptstraßen, und die Chausseen in der Nähe der Stadt sind ganz geschwärzt von Kohlenstaub. Manchen Tag kommen 2–300 Frachtfuhrleute, um Kohlen zu laden, und Keiner kommt und Keiner geht, der nicht zum bürgerlichen Erwerb sein Scherflein steuert.
Zwickau hat etwa 9000 Einwohner in 850 Häusern. Seit einigen Jahren wird viel gebaut und es erweitert die schönste sich die Stadt nach mehren Richtungen. Unter den öffentlichen Gebäuden steht die Marienkirche – Zierde der Stadt – oben an. Sie ist die Perle der gothischen Baukunst im ganzen Königreich und besitzt einen Schatz von Gemälden und Skulpturen altdeutscher Meister. Das königliche Schloß Osterstein, groß und unregelmäßig gebaut, dient jetzt zum Aufenthalt für Sträflinge. Das ehrendste Denkmal verständigen Gemeinsinns hat sich aber die Stadt in ihrem neuen Schulgebäude gesetzt, dessen Erbauung 40,000 Thaler kostete. Die Einrichtung desselben ist musterhaft. Es ist mit schönen Anlagen umgeben und jeder Zwickauer darf es mit Freude und Stolz betrachten.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 55. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/63&oldid=- (Version vom 26.4.2025)