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DLXXVII. Die Ruinen von Ettajah in Bengalen.




Ueber den Dschumnah ragt hoch noch Gemäuer, zu verkünden den Namen;
Aber die Königsstadt selbst, sie liegt als Staub in der Gruft.

Die Geschichte der indischen Reiche ist geschrieben in kolossalen Hieroglyphen. Städte entstehen, wachsen, stürzen und vergehen mit den herrschenden Geschlechtern, und die Blüthe und der Verfall ganzer Länder ist dort wie eine Livrey, welche mit jedem neuen Herrn Schnitt und Farbe wechselt. Nirgends auf der Erde liegen Größe und Verfall so nahe bei einander, als in Indien, und ein Paar Jahrhunderte umschließen oft das ganze Leben berühmter Orte und Staaten. Darum ist inmitten einer dichtgedrängten Bevölkerung das Land bedeckt mit Trümmern, welche wie die Blätter eines zerrissenen Buchs verworren durcheinander liegen und dem Forscher die Entzifferung erschweren.

Ettajah am Dschumnah war die alte Metropole des Landes, ehe Akbar vor zwei Jahrhunderten die Moguldynastie gründete und für sein neues Reich Agra als Hauptstadt erbaute. Agra ist jest selbst fast zur Ruine geworden, und auch seine Nachfolgerin, Delhi, die Stolze, wo noch der Mogul als Schatten umgeht, verfällt. Nicht was auf Despotengeheiß entsteht, nur was frei und naturgemäß sich entwickelt, hat Bestand und Dauer. Petersburg z. B. würde in 50 Jahren entvölkert seyn und Heerden würden Weide finden auf seinen Straßen, wäre es sich selbst überlassen; während in Nordamerika ein halbes Jahrhundert genügte, um, ohne Zuthun einer Regierung, Städte aus dem Boden wachsen zu machen, größer und herrlicher als alle Residenzen Europa’s, und dabei so voll von innerer Lebenskraft, daß die Grenze ihrer Entwickelungsfähigkeit noch nicht abzusehen ist. Wenn Petersburg, Berlin und Wien in Ruinen liegen, werden in New-York und Boston, in Cincinnati und St. Louis Bevölkerungen von Millionen in den Straßen wogen, Millionen freier und glücklicher Menschen; nicht Unterthanen, Sklaven und Werkzeuge der Einherrschaft, denen zu jeder Stunde ein Zuchtmeister mit seinen Prätorianern und Rothmänteln, mit Jellachichen, Wrangeln und Windischgrätzen, in Tagen zerstören mag, was der Bürger Fleiß aufgebaut hat und erworben in Jahrhunderten. –

Seitdem Dampfboote von Kalkutta den Ganges und Dschumnah bis nach Delhi herauf befahren, ist der letztgenannte Strom sehr belebt, und seine romantischen, den schönsten Partien des Rheinthals gleichenden Ufer sind