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Verlornes Paradies! Nicht mehr folgt meine Phantasie dem Kometenfluge, und die Tage starker Entschlüsse für das aufsteigende Leben sind vorüber. In den matten, langen, düstern Schatten der Abendsonne sitzen Mißmuth und Kummer. Am rauhen Pfade sprießt nur selten noch ein Blümchen, und zagend bringt der Blick in eine dunkle Zukunft. Nur ein Gedanke leuchtet beständig: „Jenseits der Mitternacht ist Morgenroth und jenseits des Grabes ist die Heimath.“ Gedanke – Funke des lebendigen Gottes – du wirst mich nicht verlassen.

Zu den Widersprüchen, deren mein Leben voll ist, gehört auch der, daß ich, dem die Wanderlust von frühester Jugend an als unwiderstehlicher Drang inne wohnte, in ältern Jahren recht geflissentlich darauf hinarbeite, mich mit unzerreißbaren Banden an die Schollen zu fesseln, auf denen ich lebte, und Alles, was ich von der Welt nicht in jüngern Jahren gesehen hatte, meinem leiblichen Auge für immer verschlossen blieb. Nur mit dem geistigen Blick darf ich mich noch umschauen auf Gottes Erde, und indem ich es thue, flackert die Liebe zum Schönen in der Natur oft in ihrer ganzen Stärke auf. Gesegnete Stunden, wo der Geist sich verjüngt und sich aufringt zum Vergessen seines Wehs!


Sorrentino generosos palmite colles. 
Ov. Met.
     

Wer das eigentliche Hesperien (die Italia felix), das Göthe’s Lied besingt, kennen lernen will, muß von Neapel aus das 20 Miglien entfernte Vorgebirge Campanella, das Promontorium Minervae der Römer, besuchen. Als eine Halbinsel tritt es weit in’s Meer hinaus und scheidet den Meerbusen von Neapel von dem von Salerno. Auf drei Seiten vom Meere und auf der vierten von hohen Felsen umschlossen, bildet es ein natürliches Amphitheater, dessen Arena einige Miglien im Durchmesser hat und 20,000 Einwohner faßt, von denen 5000 in Sorrento und 15,000 in den Dörfern wohnen, welche die kleine Landschaft bedecken. Dieses, von unterirdischem Feuer, dessen Esse der Vesuv ist, erwärmte Plätzchen ist ein wahrer Treibgarten und das fruchtbarste Stück Italiens. Hier ist jede Felsnische ein Gärtchen, und jedes Eckchen, wo ein Korb voll Erde haften kann, pflegt die Menschenhand. Hier wiegt die schlanke, tropische Palme ihre hohe Blätterkrone in den Lüften und es prangt die Blüthenpyramide der Aloe in den Spalten des Gesteins; Myrthen und andere duftende Sträucher grünen und blühen immerdar und Wälder von Oliven wechseln mit Zitronen-, Orangen- und Weingärten ab, wozu die seltsam ausgezackten Kalkfelsen, die bald als Thürme, bald als Mauerzinnen, bald als Thiergestalten sich darstellen,