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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Tag zwar längst ausgelebt hat, dessen Wirksamkeit aber durch künftige Seiten geht und dessen Rechte und Befugnisse auf dem Leben haftend geblieben sind und von der Zukunft Anerkennung fordern. Auf dem Boden des Griechenthums liegt noch immer Gold unter dem Schutte anderthalb-tausendjähriger, barbarischer Knechtung und der Zeit ist die Wünschelruthe in die Hand gegeben, welche das edle Metall zu rechter Stunde aus seinem Dunkel zieht. Wenn der türkische Leichnam nicht mehr auf seinem Grabe drückt, dann wird die griechische Welt auferstehen und als neuer Lebenskern des Orients zu Tage treten.
Ueber dem Portale der Westmünster-Abtei in London stehen die Worte:
Eine stolze Inschrift, aber wahr. Denn die großen Todten der britischen Nation liegen in jenen Hallen. Haben sie gelebt? so frage ich allemal, sehe ich Trümmer zerstörter Völkersitze, öder Wohnplätze verschwundener Generationen. Wie unter den Millionen, die gedankenlos an jener Inschrift vorüber gehen, ohne sie zu lesen, nur Einige sind, die gelebt haben, so sind auch unter den unzähligen Trümmern untergegangener Herrlichkeiten auf der Erde nur wenige, in welchen der Lorbeer der Unsterblichkeit noch zwischen dem Gestein wuchert und mit seinem Grün die Mauern kleidet.
An diesem zerbrochenen Denkstein auf dem Grabe von Milet steht auch der stolze Spruch der Westminsterkirche. Der Geist der Freiheit hat ihn eingegraben, und er hat ihn fruchtbar gemacht für ewige Zeiten.
Wirf einen Blick auf eine Karte der alten Welt und wandle an der Hand der prüfenden Geschichte durch ihre Ruinenmassen. Wo tritt dir der Geist der Vergangenheit groß und stolz entgegen und erzählt von Thaten, welche die Menschheit ehren, und von Schaffen und Wirken, das Jahrhunderte lang segenbringend sich über das Volk ausbreitete? Nicht erscheint er über Trümmern von Mausoleen der Völkerbändiger; auch nicht über den Trümmern eines Palastes, den der Machtspruch eines Despoten emporzauberte, um in seinem Glanze vor aller Welt zu strahlen; auch nicht über Tempelgrüften allgewaltiger Priester; auch nicht über Denkmäler kannibalischen Völkerstreits, wo der Heldenmuth seine Lorbeern ärndtet; auch nicht über Ruinen, die blinder Glaubenshaß aufgerichtet: nein, nicht so. Ganz anders, als da, wo Tod und Knechtschaft sich um die Menschen stritten und höchstens eine Dichterklage in den Trümmern irrt, predigt der Geist der Vergangenheit da, wo muthige Völker das Glück auf den eigenen Willen bauten! Dort schweigt die Klage! Wer Menschen und Völker
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 73. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/81&oldid=- (Version vom 27.4.2025)