Seite:Meyers Universum 13. Band 1848.djvu/84
| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
|
|
ist todt, aber von dem Segen, der aus ihrem Schooße hervorging, von den Pflanzstädten des glorreichen Miletus, bewahrt noch manche ein Andenken, und die großen Männer Milets leben noch heute in den Geistern fort, auch wenn man in dem türkischen Dorfe, das jetzt sich zwischen den Ruinen verkriecht, in Palath-Sha, den Namen nicht mehr kennt von Dem, was darunter begraben liegt.
Willkommen! Tausendmal willkommen, du schönste Maid unsers Waldes, du, unter den Thälern des thüringer Gebirgs das allerherrlichste! So vielmal habe ich dich durchwandert, und auch noch im kleinen Bilde erkenne ich allerwärts traute, wohlbekannte Plätzchen: – das lichte Kreuz dort oben auf dem Scheitel des Aschenbergs, die Felsmauer des Bärensprungs, die Porphyrkolosse, zu denen ich mit Lebensgefahr hinankletterte um einiger Himbeeren willen; die Schauenburg, die Wiege des thüringer Landgrafengeschlechts; die Wand, auf der die Burg Lichtenstein gestanden; und oben an der Spitze des Felsthales die einsame Mühle, wo mich ein Stück Brod und Käse und ein Trunk süße Milch so oft gelabt haben; – doch vor allem das Gottesaug selber, das Feldgewölbe mit der Nische, wo das Standbild des thüringer Zeus einst gestanden: Thor, der dem Land und Volk den Namen lieh, und wo ich als Knabe geschlummert und geträumt habe, und gejodelt und gejauchzt, und den Geschichten und Sagen gelauscht eines alten Köhlers oder Bergmannes. Auch der schönste Tag meiner reiferen Jahre steht eingemeißelt über der Steinbank, da ich an der Seite des besten Weibes und eines lieben Kindes saß, des Erdenglücks so voll, daß ich’s nicht mehr fassen konnte. Wie leicht hing damals die auch schon große Sorge an dem vollen Becher! Es war Duft an der Traube; und jetzt? Still, gepreßtes Herz, dein Stöhnen macht’s ja jetzt nicht anders.
Vier Stunden von Gotha und eine Stunde von Reinhardsbrunn, bei dem Dorfe Tabarz, öffnet sich inmitten des dunkeln Tannenwalds ein tiefer Grund, aus dem ein wasserreicher Forellenbach silberklar über Feldgerölle
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 76. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/84&oldid=- (Version vom 28.4.2025)