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Auch der bis jetzt noch unvollendete Bau, den unser Bild so zeigt, wie er nach Gärtner’s Plan den Michaelsberg bei Kellheim schmücken sollte, war bestimmt, sich als Denk- und Ehrenstein für einen Abschnitt des deutschen Lebens zu erheben. Aber wie bei der Walhalla die Form, war hier Zweck und Name dem Volksherzen fremd, und man wird es kaum beklagen, wenn mit dem Throne der König auch der Vollendung des Bauplans entsagt haben sollte, obgleich Ort und Art desselben eine neue Triumphfeier für die vereinigte Schönheit von Natur und Kunst herbeigeführt hätten.

Der Michaelsberg, auf dessen Gipfel schon im Oktober 1844 die Grundbauten zur Befreiungshalle vollendet waren, liegt in dem spitzen Winkel, welchen Donau und Altmühl (nunmehr als Mündung des Ludwigkanals) bei dem Städtchen Kellheim bilden. Der südliche Abhang desselben senkt sich jäh und unersteiglich in das Durchbruchsthal von Weltenburg herab. Dadurch wird der Berg der Nachbar einer der imposantesten Naturscenen, jener Stromklause nämlich, deren mächtige Felsenpartien die so oft besungene Lurlei des Rheins an Großartigkeit bei Weitem übertreffen. Die Platte des Bergs, auf welcher die Halle sich erheben soll, gewährt in ihrer Höhe von 375 Fuß über dem Stromspiegel reizende Fernsichten über den malerischen Altmühlgrund und in das weite Donauthal gegen Abbach hin. Die Stelle zu einem Nationalprachtbau konnte kaum besser gewählt werden. – Kommt Gärtners Entwurf noch zur Ausführung, so wird das Gebäude eine Rotunde in alt-italienischem Styl, mit einer Kuppel überwölbt und von einem offenen Bogengange umgeben, welcher ein Polygon von 18 Ecken bildet. Das Ganze ruht auf einem Unterbau von drei mächtigen Stufen, die zusammen 24 Fuß hoch sind. Ein Fenster von 25 Fuß Durchmesser erhellt durch die Kuppel das Innere des Tempels, welches einen runden Saal bildet mit einem Säulengange von achtzehn Säulen, deren jede 4 Fuß Durchmesser und 24 Fuß Höhe hat. Am Fuße jeder Säule hält eine Siegesgöttin aus weißem Karrara-Marmor eine eherne Tafel, je mit dem Namen einer gewonnenen Schlacht und des siegreichen Feldherrn. Die Gewölbefelder des innern Säulengangs werden mit Trophäen und allegorischen Bildern geschmückt; die mit dunkelem Marmor überzogenen Wände, ein mosaikartiges Marmorpflaster und die reichvergoldete Kuppelwölbung vollenden dann die Pracht der innern Ausstattung. Der Gesammtdurchschnitt des Gebäudes würde 236 Fuß, die Sprengweite der Kuppel 100 und die Höhe des Ganzen 178 Fuß messen. Die technische Leitung des Baus besorgte der Architekt A. Mühr. Als nach Gärtner’s Tod (21. April 1847) Klenze die Oberleitung übernahm, war der Sockelbau bereits vollendet und sollten die 18 Säulen des Innern aufgerichtet werden. Zum Transport dieser riesigen Granit-Monolithen (jeder wog 7-800 Zentner!) vom Bruche bei Hauzenberg in der Nähe von Passau, mußte eine eigene Straße erbaut werden.

Trotz der ungeheuern Schwierigkeiten, welche Transport, Material und Platz boten, schritt der Bau rüstig vorwärts, bis vor dem Sturm des Frühlings Bauherr und Bauleute flüchteten. Seitdem steht der Berg verödet und die Zukunft des Baus bis jetzt noch auf einem dunkeln Blatte.