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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Das deutsche Volk freilich, das träumte von anderen Bauten! Im März war es selbst für einen Augenblick Bauherr geworden und gedachte, sich nach eigenem Plan seine „Befreiungshalle“ zu gründen. Zum Bauplatz wählte es Frankfurt am Main. Aber Meister und Gesellen haben schlecht gearbeitet, und der Bauherr steht traurig und getäuscht vor dem unfertigen Werke, daß nun gleiches Schicksal theilt mit dem König Ludwigs. Auch in dem Frankfurter Bau erkennt die Nation eine „fürstliche Befreiungshalle“ und preßt die Faust auf das verspottete Herz. Abermals sah sie ihre Jünglinge und Männer für die Freiheit fechten und Fesseln zum Lohn erhalten, und knirschend sieht sie, wie aus ihren Bausteinen, anstatt des Tempels der Freiheit, ein Monument zur „fürstlichen Selbstverherrlichung“ ersteht.
Aber Geduld! Die Steine, die man ihrem rechten Zweck veruntreut, sind nicht verloren. Die Herrschaft, welche die Arglist von Neuem über das Volk gewonnen, sie dauert nicht, und die Schlange, die es zu verführen trachtet mit dem Reichsapfel, sie wird im Staube kriechen, ehe der Kaiserstuhl gezimmert ist. Die bösen Geister der Lüge und des Betrugs, die jetzt im Volke umgehen, seine Begriffe verwirren und es mit jesuitischer Treulosigkeit zum Schmieden antreiben an seinen eigenen Ketten: sie werden noch zu rechter Zeit erkannt werden und von der Entrüstung des Betrogenen ihren Lohn empfangen. Ihr so schlau begonnenes Werk des Hochverraths an der Nation, welches unter dem gleisnerischen Vorwand, die deutsche Einheit aufzurichten, ausgeht auf die unheilschwere Scheidung von Nord und Süd, auf Entzweiung der Brüder und auf eine Theilung Deutschlands unter zwei Kaiser (um so leichter und sicherer würde dann die Unterjochung!) wird zu Schanden werden. Wenn die Zaubersprüche, mit denen man den Märzsturm beschworen hat, entkräftigt sind, dann wird er als Orkan wiederkommen, den Bau des Baals brechen, die Baumeister zerschmettern und die Werkleute mit Entsetzen von dannen jagen.
Gott läßt sich nicht spotten. Als er im März zu Gericht gesessen war über Verbrechen in drei und dreißig Jahren an der Nation begangen, – damals, als es nur eines Winks bedurft hätte, die wehrlosen Monarchen in den Abgrund hinabzuschleudern und zu überantworten den Mächten des Unterreichs: – damals machte er das Erbarmen stark in der Völker Herzen, damit Gnade für Recht ergehe über die Schuldigen. Wenn diese mit ihren Dienern und Anhängern das Geschehene schon vergessen haben, wenn sie in ihrer Vermessenheit wähnen, die in das Fleisch und Blut der Nation getretene Bewegung sey wieder bis an die Pforte des Ausgangs zurückzulenken und mit Lug und List, Krieg und Haß die unsterbliche Volksidee der freien Einheit auszutilgen, die Nation zu zerstücken und dadurch zu bewirken, daß sie in häuslichem Hader sich entkräfte und ihre edelsten Lebenstheile im innerlichen Krampfe aufreibe und zerrütte: – so werden sie sich täuschen. – Was sie sich vorgaukeln, das vergeht auch wie Gaukelspiel, und wenn der kurze Tag neuer Volks-Täuschung vorüber
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/93&oldid=- (Version vom 28.4.2025)