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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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Ein in Werk des Friedens! Eins jener Bänder, welche die Völker zusammen knüpfen zum freundlichen Austausch der Güter, womit die Natur das eine Land gesegnet hat, die dem andern fehlen; – ein Austausch, bei dem, weil jedes gibt und jedes nimmt, am Ende keins zu kurz kommt vor dem andern und alle gewinnen. Ein Friedenswerk wie dieses bedarf aber auch des Friedens, um zu gedeihen; jenes wahren Friedens, dem, feststehend in der Gegenwart, auch die Zukunft noch Kränze flicht. Doch der Friedensengel ist entflohen aus dem Vaterlande und nur jener häßliche Scheinfrieden ist zurückgeblieben, der nicht verhindert, daß ein Krieg Aller gegen Alle besteht. Dieser feige, heimliche Krieg, der Vorläufer des bewaffneten, er wird umschlagen in offenen Bürgerkrieg, und in Paroxismen werden sich dann die Lebenskräfte der Nation rasch aufreiben, während sie jetzt, wie im schleichenden Fieber, elendiglich verkümmern. Der Handel, der schon seit den Lenztagen des vorigen Jahrs krankt, kann nirgends zum frühern Umschwung sich erkräftigen; die Industrie siecht in stets zunehmender Schwäche hin und eine Lebensverrichtung nach der andern stockt und erlischt: allgemeine Muthlosigkeit und Apathie verkündigen die nahe Auflösung. Und während der arme Kranke in Hinfälligkeit vergeht, da sitzen die Geier auf ihm und umschwärmen ihn die Raben und saugen ihm die Harpyen das Herzblut aus ohne Unterlaß. Die Alles seyn wollen in Allem, die Alles fressen und nichts dem Andern gönnen, die allein leben wollen in Gemächlichkeit und Ruhe und Andern das Gleiche nicht gestatten, jene wolfsartige, unersättliche Kaste, welche Alles verschlingt, ohne das sie je zur Genüge hat, die alle Thätigkeiten benagt, Wegelagerer hinstellt an alle Werkstätten des Fleißes, Schnapphähne an die Grenzen und die Adern des Volkslebens unterbindet, damit der Blutumlauf ein unnatürlicher werde, oder stagnire: sie will nichts von Volksbeglückung wissen. Unter ihren Händen verwandelt sich jedes Leben, was sie berührt, in todte Formen und Buchstaben, die freie Bewegung des gewerbfleißigen Bürgers in Ziffern und Linien und der nützliche Unternehmungsgeist selbst in eine Fundgrube des Aergers und oft des Verderbens. Die praktische Bürgerweisheit treten diese eingebildeten Alwisser höhnend unter ihre Füße, und ihre eigenen, pedantischen, zur Anwendung untauglichen Abstraktionen setzen sie frech an die Stelle der Erfahrung und Klugheit. Das dunkle Gefühl, daß ohne eine gänzliche Umkehr dieses Verhältnisses die Nation niemals gesunden und sich beruhigen könne, ein Gefühl, das seit Jahren schon durch die Geister zieht, bildet sich im Volke mit jedem Tage
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 89. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/97&oldid=- (Version vom 28.4.2025)