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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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das gemeinschaftliche Herz. Alle meist-zivilisirten Nationen wohnten an seinen Küsten. Von ihnen drang nord- und westwärts die wandernde Kultur in das Innere Europa’s. Jenes Meer war der Hauptschauplatz des Verkehrs der alten Welt. Sydon, Tyrus, Karthago, Massilia, Athen, Korinth, Syrakus waren um seine Ufer versammelt; seine Wogen trugen die Handelsflotten der Erde. Der Landhandel aber bewegte sich auf Karavanenstraßen in den Kontinenten.
In diesem Zeitraume, welcher 2 Jahrtausende umfaßt, war Deutschland eine Terra incognita und in der Geschichte des Handels ein leeres Blatt.
Erst nachdem die germanischen Völker mit ihren östlichen und nördlichen Nachbarn (den Barbaren nach klassischem Ausdruck) von der großen Völkerwanderung in Bewegung gesetzt wurden, Roms Weltherrschaft zerschlugen und – gegen Sieg und Eroberung – der Besiegten Kultur empfingen; – erst nachdem auch die griechische Welt untergegangen war in sittlicher Verderbniß und durch’s Schwert einfallender Völker; – erst nachdem der letzte Schild älterer Kultur, das Chalifat, zerbrochen und der Welttheil Preis gegeben war den Länderverwüstern und Völkervertilgern, die an der Spitze wilder Nomadenstämme auszogen zur Zerstörung der Reiche; – erst nachdem der Flügelsame der Zivilisation, aus Asien herübergeweht, in Italien auf’s Neue Keime trieb und Wurzeln schlug und Lombarden und Veneter die abgerissenen alten Fäden des Welthandels wieder aufgenommen und neue Anknüpfungspunkte im Norden gefunden hatten: erst dann gewann das europäische Zentralreich – Deutschland – im Weltverkehr Bedeutung. Die Beherrscher des letztern, Venedig und Genua, bahnten mitten durch Deutschland die Straßen für den Waarenaustausch zwischen Nord und Süd. Augsburg, Nürnberg, Erfurt, Basel, Straßburg, Köln, Gent, Brügge, Hamburg und Lübeck wurden Hauptstapelplätze und Mittelpunkte des Glanzes und des Reichthums.
Einige Jahrhunderte dauerte diese Blüthe. Am Schluß des 15. Jahrhunderts geschieht aber Etwas, wunderbar und ungeahndet, was Alles verwandelt und umkehrt. Der Kompaß wird erfunden, und verschwunden ist der Schrecken der Meere. Vasko di Gama umschifft Afrika und zeigt den Seeweg nach Indien; Columbus aber durchkreuzt den Ocean und – des Erdballs andere Hälfte ist gefunden.
Eine totale Umwälzung im Gange des Weltverkehrs ist die nächste Folge. Das alte Kontinentalsystem, das auf dem Landtransport ruhte, wird verlassen; das neue, das oceanische, welches das Meer vorzugsweise als Handelsstraße nützt, erhält Geltung.
Das neue System erlangte schnell seine Ausbildung durch die Erweiterung der geographischen und nautischen Kenntnisse und die Verbesserung im Schiffbau; die Erfindung der Versicherungsanstalten gegen Seegefahr geht mit ihm Hand in Hand. Die dadurch hervorgebrachte Wohlfeilheit der Seefrachten bricht dem kontinentalen System
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 91. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/99&oldid=- (Version vom 28.4.2025)