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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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ihren Leichtsinn, wie ehedem die scheinbare Gewissenhaftigkeit, ja, Die mit ihrer Uneigennützigkeit geprahlt haben, die machen von ihrer Bestechlichkeit jetzt kein Hehl, und die jeder Gewalt den Handschuh hingeworfen, haben nichts Eiligeres zu thun, als ihren Frieden zu machen um jeden Preis. Die Apostasie aber nennen sie eine öffentliche Tugend und das Ueberlaufen von einem Lager in’s andere Patriotismus! –
Dieses Gebähren, dessen Quelle in der Entsittlichung liegt, die von Oben hinab durch alle Klassen drang, richtet die Nation zu Grunde. Ein allgemeines Mißtrauen auf sich selbst und der Parteien unter sich öffnet den Plänen der Unterdrückung Thor und Thüre und bahnt jeder Gewaltthat den Weg. Es mindert die Achtung für Wahrheit, schwächt das Gefühl für Tugend, stumpft ab gegen das Unrecht, knickt den Muth, verhindert den Widerstand, erstickt den Gemeingeist und macht das Volk unfähig und unwillig zu Allem, was Anstrengung, Mühe, Arbeit, Opfer, Festigkeit des Charakters und Stärke des Geistes fordert. Es ist die Ursache, daß man das Aergste, selbst wenn es mit Hohn und Schimpf geboten wird, von der Macht hinnimmt und daß jede Transaktion mit dieser in Fußtritten und – Bücklingen endigt. Wäre wenigstens in den intelligenteren und gebildeteren Theilen des Volks das Gefühl der Menschenwürde recht lebendig, so müßten auch noch Glauben an sich selber und Selbstachtung vorhanden seyn, und dann stände auch der Glaube an den endlichen Sieg des Rechts fest in allen Seelen. Man fände in der Ueberzeugung vom Daseyn einer gerechten, vergeltenden Vorsehung eine unverwüstliche Stütze seines Muths und seiner Zuversicht. Doch wie Wenige haben eine solche! Engherzigkeit macht sich breit überall; die Rathlosigkeit verliert sich in Labyrinthe; statt die Knochen zu rühren zur Rettungsarbeit, legt, entsetzt vor den Geistern der Tiefe, denen die faule Gesellschaft verfallen ist, die nichtsnutzige, feige Verzweiflung die Hände in den Schoos und ächzt Stoßseufzer zum Himmel, der sich in Ekel von ihr wendet. – Ihr Dichter stammelt:
Auf dornigen Bahnen
Geht das Volk der Germanen;
Schreckengestalten,
Finstre Gewalten
Erheben sich dräuend!
Leiden auf Leiden
Stürmen herbei;
Wolken verhüllen
Nächtlich den Ausgang: –
Aber ich ahn’ es,
Ich sehe sie wanken,
Ich sehe sie stürzen,
Es zittert die Welt:
Germania fällt.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 95. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/101&oldid=- (Version vom 30.6.2025)