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Schweiz wäre längst zerfleischt und zerrissen von den Wappenthieren, welche an ihren Grenzen lauern und den Grimm und Haß bei sich tragen: denn jede Scholle freie Erde auf dem europäischen Continente ist ja so Vielen ein Greuel und läßt sie nicht ruhen. – Die Schweiz ist kaum halb so groß und so bevölkert, als Bayern. Nicht ihren Bergen, sondern ihrem furchtbaren Wehrsystem und dem Freimuth des Volks dankt sie die Erhaltung der Freiheit, welche die föderirten kleinen Republiken durch länger als 4 Jahrhunderte mit ihren Segnungen beglückte und auf eine so hohe Staffel der Gesittung hob. Hätte unser Parlament 1848 ein Beispiel an dem freien Nachbar sich genommen, anstatt durch Annahme des arglistigen Vorschlags zur Verdoppelung der stehenden Heere die Nation in eiserne Fesseln zu schlagen: – es sähe jetzt wohl anders aus in Deutschland. Doch die Meisten jener Versammlung thaten, was sie ihrer Natur nach thun mußten: sie handelten als aufrichtige, treuergebene Diener der Alleinherrschaft, als Menschen, die mit Herz und Glauben lieber zum Absolutismus des Czars schwören würden, denn zur Volksherrlichkeit einer deutschen Föderativrepublik. – Die allergrößte Schuld an unserm Unglücke trägt aber das Volk selbst, welches in seiner Leichtgläubigkeit und Albernheit so viele Bedientenseelen als freisinnige Männer zum Areopag sandte. Was war von Menschen zu erwarten, denen, wie wir gesehen haben und es, leider! noch täglich sehen müssen, Freiheit und Volksherrlichkeit nichts sind als leere Phrasen, und ihre Ehre und ihr Manneswort nichts als eine Waare, die man an den Meistbietenden verkauft? Wer den Knecht im Herzen trägt, der will Knechte machen, und indem man Selbstsucht und Feigheit an das Steuer der Revolution stellte, so war es kein Wunder, daß sie die Nation Schritt um Schritt von dem Gipfel ihrer Erhebung hinunter führten in den Sumpf der Schmach und Erniedrigung. So weit ist’s nun gekommen, daß die meisten Menschen für das Ehrlose der Situation gar kein Gefühl mehr haben und kein Auge mehr für den Herrgott, welcher seinen Stuhl setzt in diese Zeit, um zu richten und zu rächen. Sie bücken sich vor jeglicher Gewalt, wie der Sklave vor dem Treiber seines Leibherrn, und Manche reden schon vom Despoten an der Newa, wie am Tage vor seiner Herrschaft in Deutschland. Aber sie denken nicht daran, daß, bevor der Slave in Germanien Sklavenzucht treiben kann, die Hand aus den Wolken fahren wird über die deutsche Erde und zerrütten die Gesellschaft und strafen die Schuld solidarisch an allen Schuldigen; daß kommen wird, was der Dichter schildert:

 
„Zitternd ächzet und stöhnt der Gesellschaft mächtiger Grundbau!
Horch! Jetzt brechen die Balken; es stürzen die Säulen; die Sparren
Krachen; die festen Wölbungen trümmern. Die Säle, die goldnen,
Krümmen sich in Gebärerin-Wehen; sie bersten und schütteln
Throne und Kronen und Scepter hinab in’s grausige Chaos.“ –

Fort jedoch von diesem Nachtstück und zurück zu meinem freundlichen Bildchen!