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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Welt. Er wird von Händlern und Fabrikanten aller Länder besucht und er allein bedingt, bei einem jährlichen Absatz von 120,000 Ctrn., eine Kapitalbewegung von 12 Millionen Thaler. Der Leinenexport ist, obschon gegen sonst sehr gesunken, immer noch groß, und summirt ein paar Millionen Thaler. Die Metalle Oberschlesiens sind der dritte große Stapel der Stadt. Sie betragen ebenfalls Millionen; 1 Million Centner Eisen und 600,000 Ctr. Zink gehen die Oder hinab; der Zink sucht auf dem wohlfeilen Seewege Markt in den entferntesten Welttheilen. Für Getreide, Oelsaaten, Oel, Talg, Branntwein und Schlachtvieh gehört Breslau, als Markt, zu den größten des innern Deutschlands. Würde nun der habsburgische Traum eines germanisch-slavischen Mittelreichs Wirklichkeit, – so wäre damit für Breslau der Anfang einer Aera merkantiler Größe gewonnen, deren Gränzen nicht abzusehen sind. Aber „der Mensch denkt’s, Gott lenkt’s“. Er bekümmert sich nicht um die Träume der Gekrönten, und thäte er’s, wäre der Himmel längst eine Zwingburg und statt der ewigen Seligkeit erwarteten da droben manchen ehrlichen Mann – Kasematten.
Im Jahre 860 wurde Perivina, der erste Herzog von Mähren, der die Taufe empfing, von seinem, durch die Priester des alten Kultus aufgewiegelten Volke erschlagen. Aus seinem Märtyrerblute entsproßte das Christenthum für das ganze Land, und als es bekehrt war, sendete Rom einen Oberpriester hin, dort zu predigen und zu herrschen. So wurde das Erzbisthum Olmütz gegründet, dessen Krummstab die fürstliche Krone ziert, und dessen Träger Hoheitsrecht übt und königliche Einkünfte verwaltet. Das Grundvermögen des Kapitels allein ist mehr als 6 Milionen Gulden. In Oesterreich ist es jetzt wörtlich wahr: „Wo die Kirche ein golden Dach hat, geht der Staat betteln.“
Der erzbischöfliche Palast in Olmütz (jenes hervorragende Gebäude mit den Kuppeln) ist so groß, daß er im vorigen Jahre den flüchtigen Habsburger aufnehmen konnte mit seinem ganzen Hofe, und in dem Lustschlosse des Olmützer Kirchenfürsten zu Kremsier hatte die Nationalversammlung des Reichs Raum, welche die Todesangst des Herrschers in der Stunde der Gefahr zur Rettung seiner Krone berufen hatte. Das schwache Werkzeug wurde, als die Gefahr vorüber war, weggeworfen. Es war kein Unglück für Oesterreich. – Alles wiederholt sich im Leben. Jede verwelkende Dynastie hat solche „letzte Blätter“, und das Schicksal betastet sie allemal mit schmutzigen und blutigen Fingern. – –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 116. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/122&oldid=- (Version vom 3.7.2025)