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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Das Recht ist die Mutter der Demokratie und die Humanität soll ihre Führerin seyn. Die Demokratie soll machen, daß es überall recht in der Welt zugehe, und daß die Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit triumphire. In diesem einen höchsten Zweck fließen alle andern zusammen, und kein anderer soll verfolgt werden, der diesem widerspreche. Alle wahren Freunde der Freiheit sind darüber einig, alle arbeiten auf diesen Endzweck los, und sie bedürfen dazu weder der Verabredung, noch propagandischer Künste. Ohne sich einander zu kennen, ohne andere Satzungen, als die, welcher jeder vom Vorurtheil und der Selbstsucht befreite, vernünftige und denkfähige Mensch in der Brust trägt, ohne anderes Statut, als die allgemeinen Sittengesetze, bilden sie doch eine feste Gemeinschaft. Wo die Sonne der Vernunft die Herzen erwärmt, wo ihr Lichtstrahl in die Seelennacht der Menschen dringt, da ist ihr Reich, da wirkt sie, da schlägt sie ihren Lehrstuhl auf, da sendet sie ihre Heerschaaren hin, da streitet sie, abwehrend oder angreifend, für des Rechtes Sieg, Welteroberung und Weltherrschaft. Dieser Bund, diese Vereinigung aller wahren Freunde der Freiheit zur gemeinschaftlichen Förderung ihres Hauptzwecks, des Triumphs des Rechts über das Unrecht auf der Erde, soll ihren beständigen Ausdruck finden, und jeder Mensch, der die Freiheit um ihrer selbst willen liebt, ist ein Mitglied dieser Gemeinde, deren Macht und Gewalt wie eine Lawine wächst, je weiter sie fortrollt. „Das Gute soll herrschen über das Böse, das Reich des Rechts soll kommen auf Erden!“ erschallt’s in ihrem Tempel; und ihr Tempel ist die Welt, und Jeder kann in demselben ein Priester seyn. In der wahren Demokratie ist kein Streit, kein Zwiespalt. Es ist die Fahne der Gerechtigkeit, die Alle um sich versammelt; eine Farbe hat sie, wie sie ein Streben hat: Freiheit für Alle und durch die Freiheit Aller Recht und Aller Glück. – Sie hat etwas Kirchliches an sich, – das gesteht sie offen. Sie hält sich für die Alleinseligmachende, sie ist fest überzeugt, daß außer ihr für die Völker kein Heil zu finden ist. Wie ein religiöser Glaube strebt sie nach Bekehrung Andersdenkender; doch will sie nimmer der Freiheit der Meinung Gewalt anthun, und noch weniger die verfolgen oder hassen, welche eine andere Ueberzeugung haben oder bekennen. Wenn sie alle Menschen unter ihrer Fahne zu schaaren wünscht, so geschieht es immer nur um des Einen willen: „Für das ewige Recht.“
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 121. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/127&oldid=- (Version vom 3.7.2025)