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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Dafür und dafür allein ist ihr Streiten, dafür allein erhebt sie ihr begeistertes Wort, und wenn es seyn muß, Arm und Schwert. Dahin allein zielen ihre Lehren. Dafür allein trägt sie das Kreuz; dafür allein nimmt sie das Märtyrerthum; dafür allein darf sie die Gott-Menschen aller Zeiten als Zeugen aufrufen: Sokrates, Confuzius, Zoroaster, Plato, Christus.
Ich sagte, das Licht der Vernunft ist der Demokratie zu ihrem Gedeihen nöthig. Ich hatte unentbehrlich sagen sollen! Wie wir ohne Vernunft weder Wahrheit von Irrthum, Recht von Unrecht, Tugend von Laster, Stimme Gottes von tollem Wahnruf unterscheiden können, – wie wir ohne sie das Spielzeug unserer Leidenschaften und Gefühle und jedes Betrügers und jedes Verführers sind: so ist auch die Demokratie wie ein steuerloses Schiff im Sturm auf dem uferlosen Meere, wenn sie nicht all ihr Dichten und Trachten, Meinen und Glauben mit den Vernunftgesetzen in Einklang bringt, wenn sie nicht Alles verwirft, was mit den Grundsätzen der Moral streitet; wenn sie nicht mißtrauisch ist gegen alle Lehren, die nur auf das dunkle Gefühl wirken sollen, deutliche Begriffe nicht zulassen, oder sich der kaltblütigen Prüfung und Untersuchung entziehen. Der ächte Demokrat weist Alles zurück, was sich in Nebel, in Geheimniß und Ausschließlichkeit hüllt; er verdammt Alles, was die Vernunft verdächtigen will, oder ihren Gesetzen widerstreitet. Die wahre Demokratie will die vernünftige Selbsterkenntniß und deren Consequenzen in Staat und Gesellschaft für die gesammte Menschheit erstreben. Sie will, daß der Mensch überall auf der Erde sich seiner Würde und seines Rechts vollbewußt werde, sie will als einen Ausfluß seines Menschenrechts die Freiheit, sie will, daß die Völker mit freier Selbstbestimmung und selbstherrlich die Wege des Gesetzes wandeln; sie will, daß sie durch Tugend, Humanität und Brüderlichkeit veredelt werden zu jenem erreichbaren Zustand von Glückseligkeit, den jeder Mensch einmal im Leben – als Kind – geahnet hat. Das Wohlseyn aller in der Gesellschaft vereinigten Menschen ist dem ächten Demokraten das unveränderliche Ziel seines Staats und das Ideal, das ihm unablässig vor Augen schwebt. Aus dem Chaos verworrener Vorstellungen und Begriffe tritt ihm dieses Ideal klar vor’s Auge. Es gibt ihm die leitenden, unabänderlichen Grundregeln seines Verhaltens, es wird die vornehmste Triebfeder seines Wollens; es wird das Ziel seines Thuns; es wird der Grund, den er stets voraussetzt, wenn er sich dem Streben Anderer anschließt; ihm ist’s der Preis und der Zweck aller Gesetzgebung, aller Führung in seinem Staate. Nur was vernünftig und recht ist, nennt er gut, und indem er für alle Völker die Entwickelung des Rechtsstaats fordert und die Beförderung dieser Entwickelung hinstellt als der Gesellschaft oberste Pflicht, will er Herstellung der Harmonie des Menschen mit der Gottheit.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 122. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/128&oldid=- (Version vom 3.7.2025)