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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Ist auch dieß Ziel ein noch in unabsehbarer Ferne stehendes, weiß er auch, daß bis dahin noch der Staub mancher Generationen verwehen wird, – so hindert es ihn doch nicht in seinem Eifer. Er strebt darnach hin, obschon er weiß, weder er, noch seine Kindeskinder werden das Ideal ganz verwirklicht sehen, welches seine Seele erfüllt. Er fühlt sich schon in dem Gedanken für alle Mühen, Gefahren und Opfer belohnt, – daß er einen Stein legen kann zu dem Bau der Menschenbeglückung, und Etwas, sey es auch noch so wenig, beitragen darf, die Periode zu verkürzen, welche die Vollendung verlangt. – Ja, meine Freunde, die Ihr mich immer verstanden habt und in dem Geiste wirkt, der durch dieses Buch zu Euch redet, – Ihr werdet nicht müde werden und nie darnach fragen, ob Euer Wirken Früchte bringe heute oder morgen.
Wie es auch werde mit uns: – das ernste Streben genügt schon;
Denn auf der Erde steht nichts so hoch, als der entschlossene Wille,
Welcher im Bruder die Kräfte erweckt und die göttliche Würde,
Und ihn hebt zu des Rechts ungetrübtem Bewußtseyn.
Lasset nicht nach, Ihr Lieben! und rüttelt beständig
An den umnachteten Schläfern, und macht sie zu Menschen.
Lohn und Lorbeer verheißt man uns nicht; doch rechnet die Gottheit
Ehrlichen Streit für das Recht stets als unsterbliche That.
Und nun zu unserm Bildchen!
Die Rhone, unter den Alpen-Töchtern des ewigen Eises die wildeste, durchläuft von ihrer Wiege bis zu ihrer Einmündung in den Genfersee eine Entfernung von 38 Stunden. Mit unbegreiflicher Kraft hat sie sich ein tiefes Thal durch das höchste Gebirge des Welttheils gerissen. In unzähligen Rinnsalen, welche bald dunkle Schluchten, bald lichte Nebenthäler bilden, stürzen, auf beiden Seiten, von Gletschern und Schneefirnen die kleineren Gewässer herab, um sich mit jener zu vereinigen. Die Breite des Rhonethals erreicht nirgends eine volle Meile. Seine Wände sind steil; der Hirtenstab trat fast allwärts an die Stelle des Spatens. Mehr als 8000 Sennhütten sind hingestreut über die grünen Matten, und die Glocken der Heerden beleben die Einöde des Gebirgs bis an den Rand der Gletscher, bis zu den Feldern des ewigen Schnees. Im Thale wälzt sich der Strom mit furchtbarem Tosen zwischen den zerrissenen Felsufern schäumend hinab und einzelne Schuttkegel und Bergtrümmer erheben sich da und dort aus dem Boden als Verheerungszeugen vergangener Zeit. Die
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 123. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/129&oldid=- (Version vom 3.7.2025)