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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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und mongolischer Race, häßlich, und die ungeschlachte Tracht hilft den widrigen Eindruck vergrößern, den die bigotten Gesichter hervorbringen. Die Männer tragen Jacken, Westen und Kurzhosen von grobem, schwarzem oder dunkelbraunem Tuch; die unzierlichen Weiber von denselben Stoffen Röcke, Wamser und Schnürbrüste. Von der Sauberkeit der schweizer Landleute in den reformirten Kantonen ist keine Spur. Wie sie selbst, so sehen auch ihre Wohnungen aus. Unwissenheit, Schmutz und Armuth sind die Penaten. Viele haben sogar ein verfallenes Ansehen. So lange dem walliser Hirten nicht der Regen auf’s Bett träufelt, bessert er kein Dach und keine Wand. Selbst die Gemeindehäuser sind meist vernachlässigt. Diese entbehren jedoch nicht einen barbarischen Schmuck. Thüre und Wände sind nämlich mit den Klauen, Krallen und Bälgen von Luchsen, Bären, Wolfen, Adlern benagelt, ein Gebrauch, der sich bei den Mongolen wiederfindet und die Herkunft verräth. Am traurigsten aber ist der Anblick jener Unglücklichen, in denen der Gottesfunke zu fehlen scheint und die auf den Grenzen der Menschheit und der Thierwelt irren: jener Allerärmsten, für welche der Himmel umsonst seinen Sternenmantel über die Erde breitet und die Natur ihre Herrlichkeit und ihre liebenden Arme öffnet: denn sie schauen hinan und stieren hinein ungerührt, und kein Gedanke und kein Engel läßt sich in ihr verödetes Herz nieder. Ich meine die Kretinen. Das Wallis ist ihr Vaterland. Auf hundert Einwohner rechnet man wenigstens einen dieser Pariahs der Schöpfung. Tage-, ja Wochenlang sitzen sie an einem Fleck, angethan in Lumpen, mit gesenktem Haupte und den unförmlichen Kröpfen, lebend von den Brocken, welche ihnen die Vorübergehenden reichen. Viele sind sprachlos; Viele blöcken mit den vorbeiziehenden Rinderheerden; denn die meisten haben die menschlichen Töne ganz verloren, und gleichwie eine geborstene Glocke verletzt jeder ihrer Laute das Ohr, und jeder Blick auf die Jammergestalten zerreißt Einem das Herz. Warum – so mochte man ausrufen – sind sie auf der Erde? Engel des Todes, komm’ herab und erlöse die Jammerwesen und schließe ihre thränenleeren, rothen Augen! –
Sitten ist die Hauptstadt des ganzen Walliser Landes. Eine schönere Lage ist kaum zu denken. Um zwei isolirte Felsen, welche fast senkrecht aus der Thalebene 4–500 Fuß hoch aufschießen und von welchen Burgtrümmer und Klostergebäude herabschauen, gruppiren sich die Häuser des Städtchens, dessen neues, freundliches Ansehen um so mehr erquickt, je weniger man ein solches in Wallis sucht. Sitten brannte vor ungefähr 60 Jahren fast ganz nieder und wurde seitdem schöner aufgebaut. Das Städtchen ist nicht ohne Wohlstand. Als Kreuzpunkt mehrer Straßen und Saumwege, welche thalab- und thalaufwärts, nach Piemont und nach Deutschland und zu den Bergpässen über die Scheidewand der Hochalpen zwischen Wallis und Italien führen, hat es einen Speditions- und Zwischenhandel, der im Sommer Alles belebt und beschäftigt. Es ist ein eigener Anblick in dieser Zeit, Abends die langen Züge schwerbeladener Maulthiere, eins dem andern folgend und von wenigen Führern begleitet,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 125. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/131&oldid=- (Version vom 3.7.2025)