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ergreift das innere geheime Leben seiner Gläubigen; Furcht und Schrecken, Hoffnung und Freude kommen und verschwinden auf seinen Wink. Der einzige Zerstörer der priesterlichen Macht in einem solchen Gemeinwesen, wo kein Monarch mit seinen Satelliten die Prärogative der Alleinherrschaft, der Kirche gegenüber, mit Eifersucht wahrt, ist die Aufklärung, die Volksbildung. Gelingt es ihr, diese fern zu halten aus den Köpfen und den Herzen, weiß sie das Volk so zu leiten, daß in die Nacht seiner Unwissenheit kein Strahl fällt und der blinde Glaube in allen Begegnissen des Lebens die entscheidende Stimme behält: dann ist der priesterliche Absolutismus gesichert. Der Staatsmann, wie der Vorsteher des kleinsten Dorfs, unterwirst sich der nicht im Namen des Priesterthums, sondern im Namen Gottes und seiner Heiligen geübten Herrschaft; und geschieht dieß nicht aus religiöser Ehrfurcht, so wird es aus Weltklugheit geschehen. Denn wer in einem solchen Staate mit der Geistlichkeit bricht, von dem weicht das frommgläubige Volk wie von einem Verworfenen. „Religionsgefahr ist bei verblendeten Völkern, wo die Priestergewalt die weltliche beherrscht, immer eine weit furchtbarere Drohung, als – Vaterlandsgefahr.“

Mehre von den kleinen katholischen Kantonen der Schweiz sind republikanische Theokratien, in welchen sich die priesterliche Hoheit zwischen aristokratischen und demokratischen Elementen, beide durchwuchernd, und beide überwuchernd, empordrängt. – Weltliche Obrigkeit, ohne Beistimmung der geistlichen, ist dort machtlos. Die eine wie die andere sind sich dieses Verhältnisses bewußt; aber der Clerus, mit schlauer Bescheidenheit, gesteht nur ein, daß die Kirche neben dem Staate, nicht über ihm sey; und die weltlichen Magistrate fühlen sich durch dieß Zugeständniß, wenn auch nicht geschmeichelt, doch befriedigt. Mit gleicher Eifersucht, wie die politische Regierung den Grenzumfang des Landes gegen die Nachbarstaaten hütet, überwacht die priesterliche Grund und Boden ihres geistlichen Gebiets gegen weltliche Eingriffe. Dieser Boden, auf welchem ihre Macht ruht und aus dem sie erwächst, ist die – Unwissenheit und Verdummung des Volks. Darum behält die Priesterschaft für sich die Besorgung des öffentlichen Unterrichts und Leitung des Schulwesens überall, wo sie Macht hat oder Einfluß genug, dieß zu erlangen. Sie will für den Geist des großen Haufens niemals Erleuchtung, die zum Selbstdenken führt. Denn so wie das Volk denkt, würde auch des Priesters Vormundschaft enden und des Pfaffentrugs künstliches Gebäude verschwinden, wie Nebel vor dem Sonnenlicht. –

Und so ist auch das Volk von Wallis in der Seelennacht stets befangen geblieben, welche seine Priester hüten, und im Gefolge seiner tiefen Unwissenheit und Geistesarmuth geht neben der Anhänglichkeit an das Alte und der eifrigen Uebung des religiösen Aberglaubens die Dürftigkeit. – In einem solchen Lande darf man begreiflicherweise keine Industrie, keine Manufakturen suchen. Gewerbsfleiß weckt das Nachdenken, und daß die