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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Denkkraft ewig schlummernd erhalten werde, das ist in der Hierarchie sorgfältiges Augenmerk. Das Pfaffenthum bleibt überall und ewig eins und dasselbe. Da ist kein Schwanken, kein Aendern in den Grundsätzen, kein Abweichen von dem Wege der Uebung. Sein ganzes Wesen ist Consequenz – und ob es der Sonne opfert, oder den Schiwa anruft, oder zum Christus betet oder zum Mohammed: – es bleibt immer das Nämliche im Streben und Handeln; die Gesetze, denen es folgt, sind so unwandelbar, wie die, welche die Welten in ihren Bahnen halten.
Offen bekenne ich’s: lieber einen Tisch voll Kronen, als einen Hochaltar voll Jesuiten. Aus Pfaffenmund klingt mir die Lehre Jesus Christus wie eine Lästerung Gottes, und mein weiches Herz verstockt vor dem Worte der Liebe. Wo ich einen Pfaffen beten sehe, da könnte ich – fluchen.
Fürsten-Despotismus ist ein entsetzliches Uebel; aber die Pfaffen-Tyrannei ist das zehnmal ärgere. Was die Alleinherrschaft in ihrer Ausartung Böses verübt hat von Anbeginn, was die tausend und aber tausend Despoten, welche ihr Schoos geboren, an Menschenglück zerstört und an Menschenelend geschaffen haben; – all die Felder, wo sie die Völker schlachteten, all die Kerker, wo sie die Unschuld marterten, all die Schafotte und die Brigittenauen, wo sie die Männer des Rechts würgten, all die Einrichtungen, durch die sie die Volksarbeit um ihre Früchte betrogen und die Bürger um ihre Freiheit: – all diese Last von Sünde, Unrecht und Unthat reicht doch nach Maaß und Gehalt nicht hinan zu dem Berge der Schuld, der, seit die verfluchteste der Mütter den ersten Pfaffen geboren, mit jedem Tage höher wachst. Schwerer, als durch die Geißel der weltlichen Gewalt, werden selbst in unserm kulturstolzen Europa noch Völker von der Geißel der geistlichen Herrschaft geschlagen. Der Tyrann, welcher eine Krone trägt, wird sich begnügen, den Menschen ihr irdisches Gluck zu nehmen, ihr irdisches Recht zu zertreten, ihre irdische Freiheit zu rauben, ihre irdischen Güter zu erpressen. Die Pfaffengewalt thut dieß gleichfalls; sie bezieht die Steuern von ihren Gläubigen zwar nicht nach Heberegistern: aber sie kollektirt sie dennoch; sie hat einen unermeßlichen Grundbesitz an sich gerissen; sie zehntet die Früchte des Fleißes und des Bodens; sie macht die Trauer wie die Freude zu Goldquellen für sich, die ewig fließen; ja sie weiß sogar die Furcht und Hoffnung jenseits des Grabes noch zu Erpressungen zu nützen. Man hat den Volksverlust an irdischem Gut durch die Priesterschaft in Zahlen gebracht. Sie beträgt für Europa allein jährlich an 2000 Millionen Gulden: – eine ungeheuere Summe, groß genug, um das Elend und die Armuth aus dem ganzen Welttheil zu verbannen. –
Wäre der Verlust der einzige! Aber er ist nur ein Tropfen aus dem vollen Eimer.
Die Sünden und Verbrechen weltlicher Despoten schrumpfen zusammen neben denen der Pfaffen, und die starken Werkzeuge jener sind schwach, verglichen mit denjenigen, welche diese zum Verderben der Menschheit
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 128. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/134&oldid=- (Version vom 6.7.2025)