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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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gebrauchen. Was sind die Wirkungen verschwenderischer Höfe, dressirter Heere, eines alle Verhältnisse ausspähenden, überwachenden und gängelnden Beamtenthums gegen Das, was die Pfaffen mit der Ohrenbeichte vermögen, was sie anrichten mit ihren Irrlehren von Sündenvergebung, Ablaß, ewigen Strafen, Fegefeuer, priesterlicher Gewalt und Kraft der Reliquien und Heiligen? Ihr Ausspruch: „Nur der blinde Glaube macht selig!“ – schleudert den Bann gegen die edelsten Kräfte der Seele und lehnt sich sogar gegen den allweisen und allgütigen Schöpfer selbst auf, weil er uns Vernunft und Denkkraft, als den Funken seines eigenen Wesens, gab. Das Pfaffenthum will dem Menschen die menschliche Freiheit selber rauben; es will dem Europäer nehmen, was selbst der Wilde hat, den unbeschränkten Gebrauch seiner geistigen Kräfte; es strebt mit eiserner Beharrlichkeit darnach, die Civilisation zu bekämpfen, die Völker herabzuziehen auf die Stufen der Thierwelt und ihr Menschliches im Sumpf des Aberglaubens und der Unwissenheit zu ersticken. Und nicht genug, die Völker um das Edelste des Erdenlebens zu betrügen, greift es auch noch hinüber in die andere Welt, macht es die Hölle zum Vorhof des Himmels und hält dem armen, unwissenden Volk alle Schrecknisse vor, für welche der Pfaff schon das erste Fassungsvermögen des Kindes arglistig bearbeitet. Nicht zufrieden, dem gläubigen Volke die Freuden dieser Welt zu verkümmern, nimmt er auch die der nächsten in Beschlag und stellt ihm dafür den vollen Becher der Qualen und Seelenfoltern hin. – Wenn ein schlechter Fürst seinem Volke von bezahlten Dienern Dasjenige lehren läßt, was seiner Hab- und Herrschsucht frommt, so greift er damit doch blos das Irdische an; aber die Lehren, welche die Pfaffen geben, nehmen sogar dem Grabe seinen Trost, sie unterwühlen die Welt jenseits. Und wer sind ihre Gehülfen in diesem Streben? Schaut sie an und schaudert! Der Pfaff verleitet die Mutter, daß sie den Menschen mordet in ihrem eigenen Kinde, er verleitet den Vater, daß er die ersten zarten Keime der Seele vergiftet, und daß Beide die frühesten Vorstellungen ihrer Kinder mit den Bildern des Aberglaubens ausfüllen. Mutter, Amme, Vater, Wärterin, Alle werden zu Werkzeugen der pfäffischen Arglist, und sie arbeiten an dem finstern Werke derselben, ohne daß sie sich dessen bewußt sind. –
Unsere Zeit ist in der Erzeugung von Ungeheuerem fruchtbar. Sie hat den Despotismus geboren als Drachen mit sechs Häuptern: Autokratie, Junkerthum, Bourgeoisie, Bureaukratie, Soldateska und jenem Professorthum, durch welches die Intelligenz zur Magd der Unterdrückung herabsinkt. Damit aber das Thier der Apokalypse vollständig werde, fehlt ihm das siebente Haupt: Sie schickt sich an, es ihm aufzusehen – das Allerscheußlichste. Der Bund der geistlichen und weltlichen Despotie soll das Unglück der Völker vollenden; aber – – da dreht sich die Welt, wie man die Hand umwendet –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 129. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/135&oldid=- (Version vom 6.7.2025)