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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Bei St. Nicola, auf dem nächsten Berge des linken Stromufers, hatte jener Markgraf Rüdiger sein Schloß, welcher, nach der Niebelungensage, die schöne Chriemhild, die rheinländische Königswittwe, nach Ungarn in des Hunnenkönigs Etzels Reich geleitete, und der nachher in dem schauerlichen Kampfe seinen Tod fand, welchen Chriemhild, um den Mord ihres ersten Gemahls Siegfried zu rächen, anstiftete. Das Geschlecht der Rüdiger starb im 9. Jahrhundert aus, nachdem es auf den Ostmarken des Reichs, die es zu hüten hatte, die letzten großen Kämpfe gegen die Hunnen siegreich bestanden. –
Im südlichen Theile Ungarns macht die Donau die Landesgrenze auf einer Strecke von fast fünfzig deutschen Meilen. Am linken Ufer breiten sich die schwachbevölkerten Sümpfe und Hügel des Banats aus; am rechten die schönen Landschaften des türkischen Serbiens mit den zahlreichen Städten und Vesten. Schon bei Semendria hat die Donau alle großen Nebenströme aufgenommen, und nun wälzt sich jene in der Breite von 2000–4000 Fuß an der Neramündung vorüber nach Orsova und dem eisernen Thore hin, wo sie den ungarischen Boden für immer verläßt. – Hier in den von serbischen Stämmen bewohnten südlichen Theilen des Banats war es, wo zuerst jener grausame Raçenkampf angezettelt wurde zwischen Slaven und Magyaren, welcher Gelegenheit gab, um die freiheitstolzeste Nation in’s Joch zu schmieden, was Habsburg’s Streben schon seit zwei Jahrhunderten gewesen war; und hier war es auch, wo Kossuth (am 15. August 1849) seinem verrathenen Vaterlande das letzte erschütternde Lebewohl zurief! –
Kossuth! Bleicher Held, die Gluth des Seelenschmerzes gab Deinen Worten Feuer;– Dein „Ade“ war das größte Wort, das Du gesprochen. Deinem Seherauge war die Bahre des Vaterlandes die Wiege seiner einstigen Auferstehung. O, ihr Kleingläubigen, lernt von Kossuth, – und wenn die schwarzen Wetterwolken eure Hoffnungsfelder niederhageln, denkt der Sonne, die jene verbergen. – Kossuth’s letztes Wort stehe hier zu seiner Ehre.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 134. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/140&oldid=- (Version vom 7.7.2025)