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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Campagna Felix! Ist das das Land des Glücks, das Horaz besungen und Virgil gepriesen? Ich sehe herab auf eine Brandstätte der Erde, auf erloschene Essen der Cyklopen, auf Aschenhügel und Lavenkegel, welche vulkanische Gewalten emporgetrieben und ausgeworfen; – ich schaue auf die überwachsenen Gräber vergangener Städte, und wo einst die Bewunderung vor den Marmorpalästen der Welteroberer weilte und Tausende sich ergötzten an den Spielen des Cirkus: da ist’s öde und menschenleer geworden. Woher diese Verwandlung? hat die Natur sich verändert? hat Gottes Fluch diese Erde mit Unfruchtbarkeit geschlagen, oder ist seit den Tagen des Trajan das Feuer erloschen, welches den Boden erwärmte zur treibenden, blühenden, fruchttragenden, überschwenglichen Ueppigkeit? Keins von dem Allen. Die Hand der Natur hat keine ihrer Gaben zurückgezogen; nichts ist anders geworden, als – der Mensch, ohne dessen Fleiß und Pflege auch ein Paradies zur Einöde verwildern kann. Italien steht am Abend, und die Sonne der Kultur sinkt unter nach einem langen dunkeln Tage. Blutigroth ziehen dort die letzten Streifen am Horizonte, bald bricht der Barbarei schwarze Nacht herein, und das entartete, schuldige Volk wird verbluten unter den Wechseln von Anarchie und Despotismus. Erst wenn vergangen ist die Nacht, kommt dort ein stiller Sabathmorgen wieder, und ein neues Geschlecht und ein neues Volk ergreift Besitz von dem ausgestorbenen Lande und streut den Blüthenstaub einer jungen Kultur aus. Dann werden Städte entstehen auf den Todtenhügeln der gestorbenen, so herrlich, als die gewesenen. – Ein Kreislauf ist Alles, Alles ist ein Blühen und Welken und Wiederblühen; aber jede neue Blüthe ist eine höhere und jede Frucht eine edlere. Erschrecke Keiner, wenn eine Schicksalsnacht über ihn hereinbricht, und zage auch Keiner über den langen Weg durch die Finsterniß. Eine Fackel ist Jedem hingehalten – und es ist deine eigene Schuld, wenn du sie nicht ergreifst und du dich führen läßt mit verbundenen Augen. Dann magst du dich freilich verirren, oder in Klüfte und Abgründe gerathen, von denen kein Entrinnen ist, denn durch das Pförtchen, durch welches der Engel mit der gesenkten Fackel alle Müden leitet. –
Wie es dem einzelnen Menschen ergeht, so ganzen Nationen. Wenn sich die Völker in ihrer Nacht nicht zurecht finden können, wenn sie auslöschen ihre Fackeln und sich die Augen zuhalten, so müssen sie fallen und in die Abgründe stürzen, und sterben und verderben, bis andere Völker heraufsteigen mit andern Jahrtausenden. Es ist ein Kommen und Gehen, ein Grünen und Dorren, ein Leben und Sterben ohne Unterlaß. Aber es ist trostend und erhebend, daran zu denken; denn jeder Blick auf die Vergänglichkeit des Größten erinnert an unser eigenes
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 138. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/144&oldid=- (Version vom 7.7.2025)