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und zog sich dem Monte di Cumä (dem spitzigen Kegel in der Ferne) hinan, der auf seiner Zinne die feste Acropolis trug. Am Fuße dieses Berges sieht der Leser einen winzig kleinen, weißen Bogen; dieß ist der Rest des beruhmten Arco Felice, eines prächtigen Triumphthors als Eingangspforte des städtischen Weichbildes. Die Bildwerke, die ihn schmückten, sind längst verschwunden, selbst von den Marmorplatten, die ihn deckten, ist er gänzlich entkleidet, und übrig ist nichts mehr, als das Gerippe aus Ziegeln; aber so fest ist der Bau, daß er noch Jahrtausenden trotzen kann. Vom Monte Barbaro (dem Gaurus der Alten) verdeckt, ist die Stelle, wo Scipio, dem ein bezwungener Welttheil den Beinamen gab, ein Landhaus hatte: das Asyl, in das er sich vor dem Undank Roms zurückzog. Dort ist auch sein Grab. Von der Inschrift desselben „Ingrata patria, nec ossa mea habebis!“ (Undankbares Vaterland, nicht einmal meine Gebeine sollst du haben!) ist nur noch das Wort patria lesbar, und dieses gab der Gegend den Namen. Auch Cicero hatte bei Cumä eine Besitzung und lebte daselbst nach dem Sturze der Freiheit eine Zeit lang in Unzufriedenheit, Kleinmuth und Trauer über den Gang der Dinge in Rom. „Nachdem der Senat vernichtet,“ schreibt er, „wo gibt es noch für Manner Etwas zu thun?“ – Cicero war kein Scipio, welcher, von seinen Feinden geschmäht ohne Unterlaß, es unter seiner Würde hielt, sich zu vertheidigen. Diesem ist nie eine Klage über die Lippen gekommen. In Scipio erkennen wir darum den Typus des großen Römers, der in Brutus noch einmal glänzte und mit Cato erlosch. Die Imperatoren herrschten blos über Sklaven und der Geist des alten Roms war längst entwichen, als Barbaren die Paläste der Cäsaren bewohnten.

Den schönsten Ueberblick dieser merkwürdigen Gegend, an welche sich der geschichtlichen Erinnerungen so viele knüpfen und die geweiht ist durch so viele große Namen, – gewährt die Zinne des viereckigen Thurms, welcher den Monte Barbaro (den Gaurus) krönt. Zu den Füßen sieht man die erloschenen Feuerberge deren mit Wasser angefüllte Krater jene Seen bilden, über welche die Mythe der Alten ihre geheimnißvollen Schleier breitet. An ihren Ufern wohnten die Sybillen, welche weissagten die Schicksale der Völker, dort öffneten sich die heimlichen Pfade für die Götter und Boten der Unterwelt. Ruhig, klar und durchsichtig sind diese Seen; aber kein Baum schmückt ihre Gestade; düsteres, melancholisches Schweigen ruht auf ihren Gewässern. West- und südwärts öffnet sich das tyrrhenische Meer. Die Schiffe schweben, wie weiße Möven, auf der Fluth und die Inseln tauchen auf in den anmuthigsten Formen. Der Felsenkegel von Cumä aber erscheint wie ein hoher Grabhügel – wie die Todtenurne der Völker, Helden und großen Männer, welche hier starben oder Thaten verrichteten. Man sieht die Ströme der Zeiten stürzen, man denkt an Griechenland und Rom, und die Geister der Sybillen, des Herkules, des Aeneas, des Scipio, Cicero und Seneca, des Horaz und Virgil ziehen vorüber.