Seite:Meyers Universum 14. Band 1850.djvu/151
| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
|
|
Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und würd’ er in Ketten geboren.
Last euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
Nicht den Mißbrauch rasender Thoren!
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Menschen erzittert nicht!
(Schiller.)
Glaube an die Tugend ist Glaube an die Freiheit. Der edle Mensch glaubt fest an die Freiheit, weil er sich ihrer bewußt ist. Der Unedle kann nicht an sie glauben; denn er ist selbst unfrei, er ist Sklave seiner Begierden und Leidenschaften; er dient andern Göttern. Viele thun dieß mit Bewußtseyn, Viele auch, ohne es zu wissen. So wirft die feige, gedankenlose Menge sich heute nieder vor der Macht, die sie schlägt, und küßt ihr die Füße, und morgen ruft sie Hosiannah der Zügellosigkeit und wähnt, die Freiheit anzubeten.
- „Sie glaubt sich frei, wenn sie das Unrecht darf!“ –
Freiheit, hehre Himmelstochter! Du, wie die Gottheit selbst ehrwürdig, erhaben und ewig: Erleuchte mich, wenn ich von Dir zeuge! –
Die Welt der Freiheit trägt der Mensch in seinem Innern,
Die Tugend ist der Freiheit Mal und Zier;
Und wenn ein Volk die Freiheit sich errungen,
So ehrt es seine Pflichten für und für.
Ein freies Volk kennt nie ein andres Sollen
Als Rechtthun; es darf nie ein Andres wollen. –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 145. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/151&oldid=- (Version vom 8.7.2025)