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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Was führt ein Volk zur Freiheit? Ungerechter Druck!
Er drängt es in den Streit, aus welchem freier
Und siegender bei jedem Schritt
Die Kraft des Rechtes an das Taglicht tritt.
Ein langer Kampf verherrlicht nur die Feier
Des endlichen Triumphs: – drum Muth! Bald glänzen
Die Sterne neu, die Deutschlands Haupt umkränzen.
Wie es Gottesleugner gibt, so gibt es auch Freiheitsleugner: – gibt es doch Menschen, die Alles negiren, was sie nicht einrahmen können in ihre Vorstellungen und sich nicht dienstbar machen läßt den gemeinen Sinnen. Aber darum werden Gott, Freiheit und Tugend nicht wie leere Phantasien und Hirngespinste von der Erde verschwinden! Ob sie verleugnet werden von der Gemeinheit oder Narrheit: sie werden dennoch ewig die Leitsterne aller Menschenbildung seyn, eine höhere Begeisterung erwecken, als Ehren, Gold und Kronen, und mehr erfreuen, als alle Lust und alles Gut der Erde; sie werden das Losungswort bleiben für die Beglückung der Völker, und unter ihrer Fahne wird das Gute das Böse der Welt überwinden.
Durch die Freiheit allein fühlt sich der Mensch als Mensch. Durch sie allein ist Selbstachtung, Zuversicht, Wort und Glaube, ist Freundschaft und Treue möglich, worauf in der Gesellschaft Alles beruht. Aber der Mensch ist nicht frei, wenn er nicht selbstständig handelt; die Selbstregierung ist, wie im Volke, so im Individuum, das untrügliche Kennzeichen der Freiheit. Ein freier Mensch kann unmöglich an die Stelle des eigenen Willens, des eigenen Gewissens, der eigenen Vernunft eines Andern Willen, ein anderes Wahr- und Gutfinden setzen, dessen Ansehen höher, dessen Entscheidung zuverlässiger wäre. Der wahrhaft Freie weist jede Bevormundung von sich. Alles, was er thut, ausübt, hervorbringt, erzeugt er aus sich selbst; er kennt kein höheres Gesetz, als seinen eigenen, vernünftigen Willen; sein eigener Trieb bestimmt jede Richtung, die er einschlägt; sein eigener Geschmack, jede Form, die er schafft; sein ganzes Verhalten ist ein Ausfluß seiner Freiheit, und diese, des göttlichen Ursprungs sich bewußt, strebt unverwandt nach dem Einen, der Harmonie mit dem ewigen Sittengesetz.
Der gemeine Mensch, dessen Thun und Denken in der Sinnenwelt befangen ist, dessen Erdenleben keinen höhern Zweck kennt, als irdische Glückseligkeit und irdischen Besitz, Er kann den Werth der Freiheit freilich nicht begreifen. Ein solcher Erdensohn wird sich mit Bevormundung und Vielregierung, mit Unterdrückung und Knechtschaft immer befreunden. Willig dient er der absoluten Gewalt, schon weil er glaubt, daß sie das Bestehende
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 146. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/152&oldid=- (Version vom 8.7.2025)