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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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das Lebendige und Selbstthätige, und wenn es Gehorsam begehrt, so begehrt es ihn als eine Huldigung des erkennenden freien Willens.
Und hiermit geht der Zweck der Gesellschaft heller vor uns auf, und das Grundgesetz ihrer Ordnung steht klar vor dem Auge unsers Geistes. Wie unsere sittliche Freiheit, getragen vom Willen, der in der heimlichen Kammer unserer Seele verschlossen liegt vor jeglichem sterblichen Auge, erstes Glied einer Kette von Folgerungen ist, welche unser ganzes Daseyn durchläuft: – eben so soll die Freiheit im Staate das Lebensprinzip seyn, welches den Organismus desselben durchdringt und ihn begeistigt bis in’s feinste Geäder. Da nun aber Alles, was unvernünftig ist, absolut verwerflich ist: so müssen die Einrichtungen der Staatsgesellschaft in Einklang stehen mit dem Vernunftgesetz, und weil die Freiheit das Wirkende und Lebendige in demselben ist, so wird der Staat der beste seyn, welcher seinen Angehörigen das größte Maß von Freiheit gewährt. – Der Bürger steht in einem wahren Freiheitsstaate gleichsam im Mittelpunkte zweier entgegengesetzten Welten; einer sichtbaren, in welcher der Staatszweck durch die That, und einer unsichtbaren, in welcher der Mensch durch den Willen entscheidet: er fühlt sich aber zugleich als die Urkraft für beide, er umfaßt sie, er beherrscht sie.
Anders in dem Staate, wo der Wille eines Einzigen den Willen Aller vertritt. Wo Einer herrschen will, da müssen Viele unterthänig werden, und wo der freie Wille des Einen maßgebend ist für die Millionen, da kann von Freiheit nur als eine Lüge die Rede seyn. Die Alleinherrschaft bedarf zu ihrem Zwecke und ihrem Daseyn den todten Mechanismus und je vollkommener, kräftiger und wirksamer dieser ist, je näher wird jene ihrem Ideale treten. Die Zerstörung des freien Willens und Wirkens ist ihr ein wirkliches Bedürfniß. Was darauf hinzielt, die Thätigkeit des Menschen in vorgeschriebene Wege und feste Formen zu leiten, was ihre Abhängigkeit von der staatlichen Vormundschaft kräftigen und das Verlangen darnach vermehren kann, das dient dazu, sie zu befestigen. Darum darf die Bildung in einem solchen Staate auch nie in die Massen dringen; denn ein gebildetes Volk bedarf des Gängelbandes nicht und es würde ihm ein solches bald lästig seyn. Unwissende Volksmassen erlagen noch allemal den Stößen des monarchischen Mechanismus und gewöhnten sich bald an Gehorsam. Der Freiheitstrieb ist für die Alleinherrschaft ein gar gefährlicher Geist, und ihn zu bannen und zu fesseln, ist die Aufgabe, welche ihre Staatsmänner von jeher am meisten beschäftigte. So lange als er nicht in feste Banden geschlagen ist, bedräut sie stets der Gedanke, er könnte sich entgegengesetzte Bahnen wählen und wühlen und den Widerstand gegen die Staatsgewalt hervorrufen. Jeder Wortführer der Freiheit erregt darum ihre Furcht und ihren Haß. Und nicht ohne Grund. Wie viele Dynastien liegen in dem einen Schädel
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 148. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/154&oldid=- (Version vom 8.7.2025)