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Nur altersschwache und entnervte Nationen gehen zu Grunde unter dem vampyrmäßigen Pumpwerk der Tyrannei und den Hieben ihrer neunschwänzigen Kage; aber Völker, deren Organismen noch unverdorben sind, werden durch ihr Gift erregt zu erhöheter Lebensthätigkeit, und die Mishandlung stachelt sie auf zum Gebrauch ihrer Kräfte. Für solche kann die Tyrannei folglich zur Mutter ihrer Verjüngung, ihrer Wiedergeburt werden. Die Weltgeschichte erzählt, wie zuweilen die blutgierigsten Despoten die Säugammen wurden einer neuen Zeit, und gekrönte Wüthrige und Narren, gegen ihren Willen, zu Wiedertäufern der Menschheit. – Die Aengsten, das Schreien, das Blut, die Wehen der Gebärerin – das freilich muß muthig erwartet und standhaft ertragen werden. Dafür hilft kein Bangen!

Und so soll auch uns die Sorge die Hoffnung nicht nehmen! Ich kann mir nicht denken, Westeuropa’s Völker werden auf einer Marterbank sterben. Nein! das Prokrustusbette der Tyrannei wird ihre Bahre nicht. Mag sich die Reaktion Triumphbogen bauen; der Nebel, der von den Brigittenauen aufsteigt, stürzt sie einst mit Wolkenbruch und Donnerkeilen nieder! – „Die Gefallenen aber?“ Nun, was werden sie anders sagen, als die abgefallenen Blüthen in der Paramythe: „Wir sind gerne gesunken; hatten wir doch vorher die Früchte geboren.“


Was flattert dort oben auf den schwarz und weißgeringelten Masten? Willst du einathmen, schwarzer Adler, den Hauch der Wolken und dich sonnen im Lichte? Wie warst du herrlich damals, als du voranflogst dem deutschen Volke im langen Kampf zu seiner Befreiung von fremder Herrschaft! Deine Gegenwart war der Sieg, und wo du dein Antlitz hinwendetest, da floh die Unterdrückung von deutscher Erde und leuchteten die Berge von Siegesflammen und jubelten die Thäler und erhob sich alles Brudervolk und zog, Brust an Brust mit dem deinen, von Schlacht zu Schlacht, bis die Feuer der deutschen Beiwacht loderten auf dem Mont-Martre und in Notre-Dame unser „Herr Gott, dich loben wir!“ den Triumph des Rechts und die Versöhnung der Völker zugleich verkündigte. Wer hatte damals gedacht, daß Tage kommen könnten, wo der Anblick von Preußens Aar im deutschen Herzen noch eine andere Empfindung rege machen würde, als die des Stolzes und der Freude! Und doch strebst du, deiner Natur gemäß, ewig dem Lichte zu und verabscheust die Eulen, welche sich nur an der Nacht ergötzen und ihrer Finsterniß. Und doch ist das Beste an dir, gerade Das, was dich so hoch in der Meinung der Welt gestellt hat, – dein Ruhm in Kunst und Wissenschaft – nur deutsch, und die Nation, welcher du angehörst, hat dir noch allemal einen Ehrenplatz angewiesen. Was ist’s, das dich nun entfremden möchte deiner Bestimmung und trennen will den stärksten Ast von dem Stamme und reißen will das Glied von den Gliedern?