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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Bürgerstandes ist mit seiner Ursache, dem Handel, allmählig gesunken. – Das sehenswertheste Gebäude der Stadt ist der Dom mit den Denkmälern von Preußens ältester christlichen Zeit. Da ruhen die Geschlechter der Herzöge des Landes, der Hüter der deutschen Nord-Ostmark, und die Hochmeister jener Ritter, welche, in der einen Hand das Schwert, in der andern das Kreuz, christlichen Glauben, deutsche Gesittung und deutsche Herrschaft unter die rohen Völker des Nordens trugen, Städte baueten und Kolonieen gründeten.
Mehre Ursachen haben zusammengewirkt, den ehemals so berühmten Handel Königsbergs zu beschränken und zu verkümmern. Die Versandung des frischen Haffs nimmt seit Jahrhunderten zu und ist endlich so weit vorgeschritten, daß eine Abhilfe kaum mehr im Bereiche menschlicher Kraft liegt. Schiffe, die mehr als 9 Fuß Tiefgang haben, können Königsberg nicht erreichen. Die nahen Häfen Danzig und Memel leiden weniger an solchen Hindernissen, und da namentlich Danzig mit denselben Gegenständen der Ein- und Ausfuhr verkehrt, so hat sich der Handel meistentheils dorthin gezogen. Statt der Geschwader von großen Seeschiffen, welche in Königsbergs älterer Zeit das frische Haff belebten, sieht man jetzt vorzugsweise die kleinen Fahrzeuge der Fischer still über die Wogen ziehen, und nur zuweilen schleppt ein Dampfer einen stattlichen Dreimaster durch das enge Fahrwasser der Pregel herauf, an den tristen Fischerhütten und den hoch aufgehäuften Vorräthen der Bretter, Balken und Masten vorüber der Stadt zu. Hinaus zu Meer ziehen die Schiffe meist leichtern Schritts: denn der Getreidehandel liegt darnieder schon seit Jahren, und die Fahrzeuge, wenn sie ihre Importen gelöscht haben, müssen öfters nach andern Häfen versegeln, um Fracht zu suchen. Im Hafen selbst ist gemeinlich von dem geschäftlichen Gewimmel von ehedem (da Königsbergs Handel der größte war an der Ostsee und das halbe Polen sich der Vermittelung seiner Kaufleute bediente, um die Produkte seiner Wälder und Felder zu verwerthen und fremde Waaren dafür zu tauschen) selten viel zu sehen. Polen ist jetzt verschlossen. Der Czar macht’s zum China und die für den polnischen Verkehr erbauten Magazine und Speicher stehen daher leer. Erst dann, wenn eine unzureichende Ernte in England den Ostseeländern die Aufgabe zuführt, die dichte Bevölkerung des Inselreichs mit Brodkorn zu versorgen, kehrt für kurze Perioden eine Handelsthätigkeit in Königsberg ein, welche an die große alte Zeit erinnert. Aber diese Conjunkturen dauern selten lange, und sie lassen die Geschäftsstille, welche ihnen nachfolgt, um so mehr empfinden.
Troß alledem hat Königsberg weniger zu klagen, als manche der übrigen Ostseestädte, welchen die Abgeschlossenheit von ihrer alten Nährmutter, Polen, um so weher thut, da sie andere Hülfsquellen nicht besitzen. – Königsberg hat doch in seiner Universität, in dem wohlbezahlten Beamtenheer, der Garnison und als Wohnsitz vieler reichen Familien, welche den Ertrag ihrer Güter und Kapitalien in der alten Hauptstadt des Preußenlandes, weil da freier und unbeachteter, lieber verzehren, als in dem zwischen einer hochfahrenden Aristokratie
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 153. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/159&oldid=- (Version vom 8.7.2025)