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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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„Dort auf der Burg, im milden Sonnenglanze,
Rundum ein grünend Land, gewundne Thäler,
Von Strömen schimmernd, heerdenreiche Triften,
Des nahen Dörfchens abendlich Geläute: –
Wer wohnt dort? welch gesegnetes Geschlecht?“
„„Treufeste Männer schmachten dort für’s Volk!““
Im würtembergischen Oberamte Ludwigsburg, auf einem freistehenden, kegelförmigen Berge, 700 Fuß hoch, prangt das feste Bergschloß Hohenasberg, einst die Wiege eines verblüheten Grafengeschlechts, dem es den Namen gab. Schon im 10ten Jahrhundert war die Burg vorhanden; später kam sie an die Grafen von Tübingen, und der erste Herzog von Würtemberg erweiterte und verschönerte sie zu einer landesherrlichen Wohnung. Dieser große Fürst sagte die unvergeßlichen Worte: „Ich darf mein Haupt jedem Würtemberger ruhig in den Schoos legen!“ und zu seinen versammelten Räthen: „so Jemandem meine Regierung schwer und ungerecht gewesen und „wider Billigkeit“ – dem soll es mit alle meiner eigenen Habe ersetzt werden, und wenn Dir, Gott und Schöpfer! damit noch nicht genug gethan – so ist hier mein Leib!“ – – Jetzt aber? Wenn die Millionen Seufzer all der Unglücklichen, die aus den Kerkerzellen des Hohenasberg zum Himmel stiegen – und wenn all die Thränen des stillen Grams und tiefen Kummers, die da vergossen wurden, als Sündfluth niederstürzen sollten, um die Hartherzigkeit von der Erde zu vertilgen, – wo wäre für sie Rettung? Wo wäre Erbarmen für sie zu finden? – Der Dichter Schubarth, der erste, der eine Zeitschrift für Volksbelehrung schrieb im Würtemberger Lande, der wurde eingesperrt und stumm und dumm gemacht auf dem Asberg vor 70 Jahren; und statt des Einen sitzen jetzt sieben Redakteure freisinniger Volksblätter droben und so viel näher den Sternen. Wie seltsam klingt dies „Da capo!“ nach siebenzig Jahren. Haben sie denn geschlafen, die Rufenden, diese letzten drei Viertel Jahrhunderte? Selbst Gottes Donner hat sie nicht geweckt, vergeblich schlugen seine Blitze neben ihnen nieder.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 163. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/169&oldid=- (Version vom 10.7.2025)