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So schlaft, schlaft denn fort unter Stummen und Verschnittenen und träumt den letzten Traum. Ja, ja, den letzten!

Es ist zwar wahr: gegenwärtig überfluthet die Demoralisation Alles, und diese traurigste Erscheinung in dieser unglücklichen und schmachvollen Zeit ist dazu gemacht, schwächere Patriotenherzen mit Niedergeschlagenheit, stärkere mit Ekel zu erfüllen. Irre machen darf es aber nicht, verzagen darf Keiner. Alles das ist schon da gewesen. Dem Corsenjoch und der Rheinbundschande folgten die Erhebung und die Triumphe der Nation von 1813–15, den Karlsbader Beschlüssen die Erschütterung des Absolutismus im Jahre 30, der spätern Volksbedrückung und Verfolgung der Patrioten die Revolution von 48; – die Bundesverbote der deutschen Farben hatten in dem Aufziehen des deutschen Banners auf dem Bundespalaste ihren Ausgang, und das Knebeln der Presse in dem Bundesgesetze: „die deutsche Presse soll frei seyn für ewige Zeiten!“ – Dreimal habe ich das Ebben und Fluthen erlebt in den deutschen Dingen; dreimal haben die Wogen der Freiheit und Knechtschaft gewechselt; dreimal hat das Volk Ketten zerrissen und Ketten angenommen: wird es bei diesem „Dreimal“ bleiben? wird die Nation in den neuen Fesseln sterben, oder sie wieder zerreißen? In meiner Seele steht die Ueberzeugung felsenfest: Die Unterjochung des deutschen Volkes, wie sie im Sinne des Absolutismus gewünscht wird, wird nicht gelingen. Wenn der Absolutismus das Unmögliche versucht; wenn er den Strom hinauf bis zu seiner Quelle schwimmen will: – so ist das Unsinn. So wenig wahre Größe auch in diesem Zeitalter zu finden seyn mag: seine Gewaltmenschen sind doch zu klein, es zu bezwingen. Der Widerwille ist zu allgemein, zu lebendig. Sie können es nicht durchsetzen. Sie bereiten sich ihren Untergang. Keine Offenbarung ist gewisser. Deutschland war so unklug, eine halbe Revolution zu machen, und das war ein Unglück: denn sie mußte die gereizte Autorität zum entgegengesetzten Ziele hindrängen. Aber der Stoff zum Widerstande wird nicht schwächer durch den Druck, und die zersetzenden Elemente haben durch letzteren an Wirkung eher gewonnen, als verloren. Ich kann nicht glauben, der nackte Absolutismus sey das Ende der Bewegung so vieler Völker. Wenn aber die Auflösung der alten Parteien, welche jetzt in so vielen Erscheinungen hervortritt, erfolgt, so ist dieß nicht der Tod, sondern vielmehr das Vorzeichen des neuen Lebens. Wenn der Geist der zukünftigen Gesellschaft in die alten Formen nicht mehr passen will, so findet er auch in den alten Parteibegriffen keine Befriedigung mehr. Junger Most verlangt neue Schläuche. Die Demokratie von 48, der Constitutionalismus von 49, die Reaktion von 50 sind Faktoren, die sich abnutzen, wie die Altliberalen von vormärzlichem Datum sich verbrauchten, und alle die mittelmäßigen oder unfähigen Menschen, welche jene Parteien repräsentiren, sind in der Meinung schon so vollständig zu Grunde gerichtet, daß, wagten sie sich je auf die Bühne der Zukunft, sie ganz gewiß ausgepfiffen werden würden. – An eine dauernde Herrschaft der Reaktion ist gar nicht zu denken. Sie, als derzeitigen Inhaberin der materiellen Gewalt, würde nur dann einigen Respekt ansprechen können, wenn sie eine geistige Größe belebte.