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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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wenn das Feuer auflodern wird an tausend Enden und der himmelhoch aufgehäufte Zunder in Flammen aufschlägt und ein allgemeiner Brand zu verzehren droht mit allem Bösen auch alles Gute, mit dem Tand auch die Schätze, mit dem Absolutismus auch die theuersten Errungenschaften tausendjähriger Gesittung: – wenn sie Kunst und Wissenschaft und ihre Träger, und alles Bestehende, in ein gemeinschaftlich Grab stürzen will ohne Unterschied und ohne Prüfung – dann sollen wir, zum Opfertod für das Heiligste entschlossen, kühn und kalt den wilden Mächten der Zerstörung uns entgegenwerfen, uns einigen zu ihrer Bekämpfung. Und ein glorreicherer und gerechterer Bund wird auf Erden nicht gewesen seyn!
Diese Ansicht ist zu fassen, festzuhalten und zu verbreiten. An ihrer Durchführung hangt das Schicksal Deutschlands, der Gesellschaft.
Wie groß, oder wie klein die Zahl Derer sey, welche Aufopferungsmuth genug in sich tragen, im entscheidenden Augenblicke entschlossen und freudig Alles daran zu setzen an den Versuch, die Wogen der Zerstörung zu stillen und nach Leiden und Drangsal ohne Gleichen das unglückliche Vaterland vor dem Ruin der Anarchie zu schützen, das kommt jetzt nicht in Frage. Großes Unglück hat noch allemal große Menschen gezeugt. So einzeln sie jetzt stehen, die Treuen und Zuverlässigen, sie werden nicht vereinzelnt bleiben, wenn die Stunde der Gefahr geschlagen hat. Jetzt haben jene Männer den dringenden Beruf, Lehrer der Nation zu seyn, sie, besonnen und leidenschaftslos, zu einer klaren Erkenntniß ihrer Zustände zu bringen, in ihr den Glauben an die Gerechtigkeit Gottes zu stärken, den Sinn für Recht und Ehre zu pflegen, jenen für Deutschlands Größe und Selbstständigkeit wach zu erhalten, auf die Gefahren des Kommenden und Unvermeidlichen hinzudeuten, die Banden der stammlichen Vorurtheile und Antipathien schonend zu lösen, die partikularistische Selbstsucht durch Belehrung und durch die Erhebung der Idee zum Allgemeinen zu bekämpfen und so den Samen auszustreuen für die Wiedergeburt der Nation auf den Grundsätzen der Humanität. Sie sollen Steine sammeln und zusammentragen für den künftigen Neubau, während die Reaktion, im Wahne, das Alte, Einfallende zu erhalten, mit eigenen Händen den Grund aufreißt, auf dem es steht. Und die angedeuteten Mittel des patriotischen Wirkens in dieser entsetzlichen Zeit kann uns selbst der Absolutismus nicht ganz entziehen!
So laßt uns denn wirken, ihr Männer! so lange ein Wirken überhaupt uns noch gelassen ist! Der Leidenschaft baar, den sittlichen Ernst und die geistige Weihe nicht nur auf der Stirn, sondern auch im Herzen tragend, müsse unser Streben und unsere Lehre unablässig auf die bürgerliche, religiöse und moralische Erhebung unsers Volkes gerichtet seyn. In der Reaktion ist keine Gefahr, denn sie entleibt sich selbst. Große Gefahr ist aber in der Roheit des Volks. Bildet das Volk, um das Vaterland zu retten, und mit demselben rettet ihr die Freiheit! –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 166. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/172&oldid=- (Version vom 10.7.2025)