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DCXXXXI. Brescia in Italien.




Brescia leitet seinen Ursprung bis in die griechische Heroenzeit hinan und die Stadt nennt Herkules ihren Erbauer. Die ersten Einfälle der Gallier verwüsteten sie; Brennus stellte sie wieder her. Reich und groß geworden unter der Republik und unter den Kaisern, blühte sie fort bis zum Einfall der Barbaren unter Attila, der ihr römisches Leben vertilgte. Gothen herrschten dann und Longobarden siedelten auf ihren Trümmern; letztere machten sie zur Hauptstadt eines Herzogthums. Brescia ging auf und nieder in den spätern Jahrhunderten, während welchen Oberitalien, nach Perioden der Ruhe, von Krieg und Verheerung und allen Leiden heimgesucht ward, die sich an häufige Veränderungen der Herrschaft knüpfen. Als die lombardischen Städte ihr Haupt gegen die Kaiser erhoben, da war Brescia eine der vordersten und ersten. Sein Kampf um die Freiheit war an Großthaten reich. Eben so tapfer und entschlossen als die Brescianer sie erfochten, eben so fest und ausdauernd vertheidigten sie ihren Besitz. Im 14. Jahrhundert widerstanden sechstausend Bürger einem sechsfachen deutschen Heere unter der Führung König Heinrichs, des Luxemburgers; 1412 vertheidigten die Frauen, die Heldin Brigitte Avogadro an der Spitze, die Stadt mit Erfolg gegen das stürmende Heer des Piccinino während der Abwesenheit der Männer, welche fern von der Heimath zu Felde waren. 1426 gerieth Brescia unter die Hoheit Venedigs, das, zu seinem Schutze zu schwach, die Stadt nach der Schlacht bei Aguadello 1509 den Franzosen überließ. Nach 3 Jahren schüttelte sie das fremde Joch zwar ab; aber ein französisches Heer unter Gaston de Foix rückte ein und nahm die Stadt im Sturm wieder. Das Schicksal der Ueberwundenen war grausam. Die fremde, rohe Soldateska überließ sich allen Greueln. Von den Einwohnern wurden 9000 in den Straßen und Häusern erschlagen und nach 7tägiger Plünderung die Stadt angezündet und gänzlich verheert.

Dennoch erhob sie sich wieder durch die Energie des Geistes und Willens, welche dem Brescianer innewohnt seit den ältesten Zeiten. Die Freiheit war verloren; der Fleiß eroberte einen fest begründeten Wohlstand, und dieser hat sich erhalten und ist zum Reichthum angewachsen bis in die neueste Zeit. Selbst die Hand welche die Brescianer für ihre Ausdauer im letzten Kampfe Italiens gegen Oesterreich so entsetzlich züchtigte und die niedergeworfene Stadt dem Schwerte und den Flammen überlieferte, vermochte nur die Trauer in alle Familien zu tragen, nicht aber die Quellen des Erwerbs zu verwüsten, die der Stadt in dem Seidenbau, in der trefflichen Stahl- und Eisenfabrikation der Gegend, in den Filaturen und Webereien, in ihren berühmten Waffenfabriken etc. beständig fließen.