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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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von Pelzwerk, Leder, Häuten, Hanf, Flachs, Wachs (ein Hauptartikel in den katholischen Zeiten!), Honig (der damals den Zucker vertrat), Kupfer, Haufenblase, Talg etc., geschah nur durch Vermittlung des Hansabunds und eben dadurch wurde die Handelsverbindung mit den Hanseaten nothwendig für alle seefahrenden Nationen. Ihre Faktorei in Nowgorod unterhielt 4000 Arbeiter und Beamte. Sie war, gleich einer Festung, mit hohen Mauern und Gräben umgeben; nur zu gewissen Stunden durften Russen hinein; des Nachts war sie geschlossen und in den Gräben hielten Bären, Hunde auf den Wällen Wacht. Ueber die ungeheuern Vortheile, welche die Hansen aus diesem Handel zogen, bewahrten sie das tiefste Geheimniß. Sie setzten es sogar in den deutschen Ostseeprovinzen (Kurland und Liefland) durch, daß keinem Nichthanseaten, oder Ausländer, die russische Sprache gelehrt werden durfte. Erft 1494 ging, unter Iwan dem Schrecklichen, der die Faktorei zu Nowgorod plünderte und die Hanseaten in den Kerker warf, das Etablissement verloren.
Die dritte Haupt-Position der Hanseaten für ihren Welthandel war die Faktorei in London. Noch ist der, die halbe Thames-Street einnehmende, Stahlhof (Steel Yard) mit seinen Speichern und Magazinen hanseatisches Eigenthum, – ein Riesenkreuz gleichsam auf ein Hühnengrab. Die Privilegien der Hanseaten in England und ihre Thätigkeit lieferten ihnen die wichtigsten Geschäftszweige in die Hände. England war damals berühmt, wie später Spanien es war, wegen seiner Wolle. Die niederländer und flandrischen Tuchfabriken, deren Erzeugnisse überall hin verfahren wurden, verarbeiteten vorzugsweise englische Wolle und die Hanseaten lieferten dieselbe. Sie exportirten jährlich 100 bis 150 Tausend Ballen aus England, und dieses empfing dafür von ihnen das Eisen und den Stahl Schwedens, die russischen Produkte, die norwegischen Fische und die Erzeugnisse Indiens. Drei Jahrhunderte blieb dieser gewinnreiche Großverkehr ungestört; in der Mitte des 15. Jahrhunderts entspann sich aber eine Fehde mit den Briten, hanseatische Schiffe wurden von den Engländern geplündert, hanseatische Kaufleute in den Kerker geschleppt oder ermordet, die Faktorei in London geschlossen. Da schrieben die Lübecker eine Versammlung aus für alle Städte, welche dem Bunde angehörten, und trugen darauf an, daß man an England thue, wie ihre Väter vordem an Dänemark gethan hatten. Sie wollten, daß man alsbald mit dreihundert Schiffen in die Themse fahre, London einnehme, den Tower zerstöre, Geißeln hole und Ersatz erzwinge für allen Schaden bei Mark und Pfennig. Das geschah nun zwar nicht; aber drei Kriegs-Geschwader wurden an die englische Küste gesendet, um die englischen Schiffe wegzunehmen, die Häfen zu zerstören und den jungen, kräftig aufwachsenden britischen Handel zu vernichten, der den Hanseaten ein Dorn im Auge war. Zweihundert britische Fahrzeuge wurden weggenommen, die Mannschaften in Ketten geworfen, die Küstenstädte verbrannt, die Magistrate als Geißeln fortgeschleppt oder an die Mastbäume geknüpft; und so lange schwangen sie die Ruthe über Britannien, bis es zu Kreuz kroch. Sein König Eduard IV. schloß im Jahre 1474 einen Frieden,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 185. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/191&oldid=- (Version vom 18.7.2025)