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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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durch den er nicht nur die alten Privilegien der Hanseaten bestätigte und erweiterte, sondern ihnen auch Ersatz für allen durch den Krieg gehabten Verlust und 10,000 Pfund Sterling (damals eine ungeheure Summe) noch darüber hinaus zu zahlen versprach, als Sühngeld. Er ließ zu, daß die Hansen ihren eigenen Gerichtshof in London errichteten; er sicherte ihnen Befreiung vom Strandrecht, Befreiung von Zöllen und Geleit und sie bekamen dadurch ein solches Uebergewicht über ihre Konkurrenten im Handel, daß sie denselben fortan wie ein Monopol trieben. Das waren noch Zeiten, wo die deutsche Flagge Herrin war auf dem deutschen Meere, wo man dem deutschen Reichsadler, der jedem Hanseatenschiff am Topmast flatterte, Respekt erwies auf allen Meeren und an allen Küsten und wo deutsche Städte eine ihnen angethane Schmach zu rächen wußten männlicher als jetzt manche Könige thun. Als einmal Dänen, Franzosen und Englander es gewagt hatten, hanseatische Schiffe, die in Strandnoth gerathen, anzuhalten und zu besetzen, forderte Lübeck in aller Hanseaten Namen, daß, „so lange eine Katze oder ein Huhn auf einem deutschen Schiffe zu finden sey, dasselbe von keiner fremden Macht angetastet werden dürfe“, und die Könige unterschrieben, was die deutschen Bürger forderten.
Das vierte Haupt-Etablissement der Hanseaten war Brügge. Brügge war damals die reichste Stadt der Welt nach Venedig. In Brügge war der Ausfluß des orientalischen Handels; es war der große Stapelplatz Venedigs, Genua’s, Pisa’s, von Florenz und von Mailand. In Brügge fanden die Hanseaten den größten Absatz für die Produkte des Nordens und für die Wollen Englands; hier fanden sie auch den größten Markt und die reichste Auswahl für ihre Bedürfnisse zur Versorgung der Länder, deren Verkehr sie in Händen hatten. – Für die Faktorei in Brügge wirkten 300 hanseatische Agenten. In Brügge wurden bei den reichen flandrischen Kaufherren von hanseatischen Rhedern zuerst Schiffe und Ladungen gegen Seegefahr versichert. Die dortige hanseatische Schule für Kaufleute war berühmt, – erst nach 10 Jahren rückten in derselben die Lehrlinge zum Range des Dieners auf. Das war eine harte Schule und die Methode fing mit den niedrigsten Arbeiten an. Aber die Leute lernten und erfuhren viel und sie waren tüchtig, wenn sie selbstständig in’s Leben traten. Die reichsten Handelsherren in Lübeck, Hamburg, Riga, Danzig und Bremen rechneten es ihren Söhnen zur Ehre an, in dieser Schule gebildet zu werden. – Bis in’s 14. Jahrhundert dauerte ein gutes Vernehmen zwischen Flandern und der Hansa fort. Da wurden die Brüggener Kaufleute eifersüchtig. Die Handelsprivilegien der Hanseaten wurden beschränkt. Als die Gegenvorstellungen nichts fruchteten, verlegte Lübeck, unter Zustimmung der übrigen Bündner, die Faktorei nach Dortrecht und verbot allen hanseatischen Städten den Verkehr mit Flandern gänzlich. Das half. Es erschienen 1389 flandrische Abgeordnete in Lübeck und 1391 willigte der Herzog von Flandern in alle Bedingungen, welche die Hanseaten vorschrieben. Diese waren: der Herzog zahlt 11,000 Pfund Silber Entschädigung, garantirt von 24 Handelsherren in Brügge
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 186. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/192&oldid=- (Version vom 18.7.2025)