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und Antwerpen; 100 ehrbare Bürger von Brügge thun vor den hanseatischen Abgeordneten öffentlich Abbitte; die Stadt schickt 16 ehrbare Männer wallfahrten gen Sankt Jakob zu Compostella und vier ehrbare Männer gen Jerusalem zum heiligen Grabe, und läßt sie beten für das Wohl des Hansabundes! Alles das wurde buchstäblich vollzogen, und die Boten Lübecks kehrten heim unter Ehrengeleit flandrischer Ritter und Lübecks Bürger zogen ihnen im Waffenschmuck entgegen. Das waren Tage der Größe und Ehre für deutsche Bürger. Lübeck trug die Krone; aber das ganze deutsche Volk strahlte von ihrem Glanze wieder. Lübeck hatte damals fast 100,000 Einwohner. Unter den Städten aller Länder der Ostsee war es die reichste, größte, berühmteste. Ihr Name flößte Königen Furcht ein, Venedig schickte ihr Gesandte zu, mächtige Fürsten suchten ihre Freundschaft.

Und jetzt?

Hin ist der hohe Sinn der alten Zeit bis auf die letzte Spur; und an seine Stelle ist mit den neuen Verhältnissen ein anderer Geist eingezogen, der sich demüthig in die Zeit schickt, die Wahrung des eigenen Vortheils über Alles stellt und sich das ruhmlose Leben so behaglich und genußreich als möglich zu machen sucht.

Das Alter trägt wohl am meisten die Schuld und muß das Urtheil darüber mildern. Alter macht schwach und selbstsüchtig und die Schwäche macht furchtsam; wenn nun die alte Matrone mit der großen Politik nichts mehr zu schaffen haben mag und sich nur um ihre eigene Wirthschaft bekümmern will, so ist’s ihr am Ende so sehr auch nicht zu verargen. Als gute Hausfrau ist sie doch in Ehren zu halten, und man darf auch zugeben, daß ihr stattliches, altes Kleid ihr noch gut zu Gesicht steht. Sie hält es mit Sorgfalt ganz und rein und ein ächt bürgerliches Kleid ist es, das das Aug’ erfreut. Mit Hamburg freilich, der hoffärtigen, stolzen Schwester, kann sie sich nicht vergleichen. Dort wohnen die Kaufleute in Palästen wie die Fürsten; in Lübeck hingegen ist ein Haus mit 10 Fenstern Breite schon eine Seltenheit. Wie in den alten flandrischen und süddeutschen Städten sind seine Häuser schmal und sie kehren ihre Giebel den oft engen Straßen zu; sie erscheinen unansehnlich auf den ersten Anblick; doch bald werden Aug’ und Sinne durch die Mannichfaltigkeit ihres Styls, ihres Schmucks, ihrer Verzierungen und Verhältnisse angezogen und sie fesseln am Ende die Aufmerksamkeit dauernder, als die geistlosen Pracht-Neubauten Hamburgs. Man sieht’s dem alten Lübeck an, daß seine Erbauer sich die Welt beschaut haben; denn solcher Geschmack, solcher Reichthum in eigenthümlichen, oft phantastischen Formen waren in den deutschen Bauhütten des Mittelalters nicht zu Hause. Wenn man die lübecker Ziegelbauten mit den Hautereliefs aus glasirten Backsteinen betrachtet, so kann man sich der Vorstellung nicht entschlagen, daß die Bauherren die Muster aus den Dogenstädten Venedig und Genua holten; freilich mit dem Unterschiede, daß Das, was sie dort in Marmor ausgeführt sahen, sie in der Heimath nur aus Thon nachahmen konnten; denn anderes Material hatten sie nicht. – Ein offener Sinn für das Schöne der Natur ist dem Lübecker eigen und sucht im Leben mannichfachen Ausdruck. Um die Blumen und Ranken von Stein an den breiten Fenstern