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Eindruck. Das Kolossale ihrer Masse und ihre Einfachheit wirken dafür zusammen; Schmuck und Zierrath ist wenig an ihr zu finden. Das Mittelschiff ist 134 Fuß boch und wird von einer Wölbung geschlossen, deren Kühnheit in Erstaunen setzt. Der Bau ist Ziegel. Er datirt aus Lübecks größter Periode, aus dem 14. Jahrhundert. Besonders schön ist die Vestibüle des Haupteingangs. Sie ruht auf schlanken Monolithen von Granit, die aus der Insel Bornholm gebracht wurden. Sie heißt die Briefkapelle: deshalb so, weil hier die Ablaßbriefe an die Gläubigen vertheilt zu werden pflegten. Am merkwürdigsten ist die Todtenkapelle. Sie ist mit dem berühmten Todtentanze ausgemalt, den man lange Zeit für ein Werk Holbeins hielt. Er ist aber viel älter. Er fast 20 Bilder, in denen der Tod vom Papste abwärts bis zum Bauer alle Stände und Lebensalter tanzend zum Grabe geleitet. Bei jedem sind erklärende Reime. Unter dem des Wiegenkindes:

„O Dot, wie sal ick dat vorstan?
Ick sal dannsen und kann nich ghan!“

Eine Menge Gemälde der alten niederdeutschen und flandrischen Schule von großem Werthe hängen über Altären und an den Wänden, und auch zwei berühmte Meisterwerke unserer Zeit haben sich zu diesem Bilderschatz gesellt: Overbecks Grablegung des Heilands in der Gallinenkapelle, und sein herrlicher Einzug Christi in Jerusalem in der Beichtkapelle, wo der Kunstfreund überdies die Glasmosaiken florentiner Meister aus dem 15. Jahrhundert zu bewundern hat. Das Kunstwerk aber, was beständig ganze Schaaren von Beschauern aus dem Volke herbeizieht, ist die astronomische Uhr, 1405 vollendet, – ein Werk unbegreiflichen Fleißes. Unter anderm gibt sie alle bis zum Jahr 1860 eintretenden Mond- und Sonnenfinsternisse genau an. Jeden Mittag, mit dem Schlage 12, setzt sie ein Glockenspiel in Bewegung, eine Pforte öffnet sich und heraus reitet der Kaiser mit den Sieben Kurfürsten gemessenen Schritts vor dem Gekreuzigten; sie halten an und verneigen sich in Demuth.

Das Leben in Lübeck ist anspruchsloser als in andern deutschen Städten gleicher Größe und mit dem Hamburgs gar nicht zu vergleichen. Die Vermögens- und Erwerbsverhältnisse gestatten nur wenigen Familien den Aufwand für großen Luxus, und der Sinn für Häuslichkeit läßt ihn auch nicht aufkommen. Man sieht ein, daß man mit den vielfach geschmälerten Quellen des Gewinns sparsam wirthschaften muß, um mit Ehren zu bestehen, und die Menschen befinden sich wohl bei diesem verständigen Sinn. Lübeck hat, trotz seiner endlich gelungenen Anstrengung, sich des großen Agenten des Verkehrs – der Eisenbahnverbindung mit Deutschland – zu bemächtigen, – doch wenig Aussicht, sich wieder empor zu schwingen. Sein Aktivhandel ist kaum noch nennenswerth; nur sein Speditionsgeschäft ist groß. Selbst wenn das Gesammtvaterland zur Einheit gelangen sollte, würde Lübeck doch mit andern Städten von jüngeren Kräften eine schwere Konkurrenz zu bestehen haben. Das Alter, das Bewußtseyn