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DCXXXXIV. Bremen.




Im Juli, es war an einem Sonntagmorgen, hatte ich mich in Nienburg eingeschifft; ein Zufall brachte Aufenthalt und der alte Schiffer klopfte nach Mitternacht die Knechte wach, um noch vor dem ersten Läuten am Bremer Kai anzulegen. Er war verdrießlich. „Am Tage des Herrn lass ich sonst kein Ruder rühren“, sagte er; „doch meine Ladung sollte schon gestern in Bremen seyn und Noth geht über Gebot!“

Das Getrappel der Schiffsknechte auf dem Deck, das Plätschern der schweren Ruder, das Knarren des Steuers machten meinem Schlaf ein Ende. Ich kroch aus meiner Koje und aus dem niedrigen, kleinen, schwarz-geräucherten Stübchen mit dem fußgroßen Fensterchen, das damals Kajüte hieß, auf’s Deck. Der Vollmond stand noch im Westen über dem Horizont; die Sterne funkelten; die Milchstraße spannte ihren Bogen aus Billionen Welten durch die Mitte des Himmels; nur im Osten schimmerten ein Paar Wölkchen röthlich, des Tages erste Boten. Das Mondlicht warf die langen Schatten der schlanken Erlen und Pappeln, die gruppenweise das Ufer säumten, über das Wasser, und phantastisch wankten die Gestalten auf den Wogen hin und her: es war eine der schönsten Fahrten, die ich je gemacht habe. – Ruhig gleitete das Schiff den breiten Strom hinunter. Allmählig wuchs die Dämmerung, der Mond ging unter, bleich wurde der Himmel, die Sterne löschten einer nach dem andern aus und die Nebel des Morgens spielten auf dem Pfade des Fahrzeugs. Die Stille der Nacht machte allmählig dem Leben des Tages Platz. Vögel schwirrten scheu an uns hin, dann und wann passirten wir ein träges Holzfloß, oder es überholte uns ein leichter Kahn. Kirchthürme und Schornsteine guckten neugierig über die Uferdämme der Marsch, und die blauen Rauchwölkchen über jedem Dach waren wie Morgenopfer und Morgengruß zugleich. Fischerkähne lagen da und dort in grünen Buchten, oder größere Schiffe mit gerefften Segeln: stil, einsam, melancholisch, wie Menschen ohne Freundschaft und ohne Liebe. – –

Rothes Gold säumte jetzt die Wolkenstreifen im Osten. Bis zum Zenith herauf glühten die Nebel und es errötheten die flockigen Wölkchen, welche, wie Schäfchen, am Himmel weideten. Lichter und lichter wurde es, bis es heller Tag war. Durch den blauen Morgendampf des Stroms und über den Wipfeln der Bäume sahen wir endlich in der Ferne bewimpelte Masten und hohe Thürme. – „Morgenstund’ hat Gold im Mund“, sprach zufrieden der Alte. „Wir kommen in Bremen frühzeitig vor Anker“. –