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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Vereinigten Staaten ist die Bremische Flagge nach der Englischen die frequenteste und steht in hohem Ansehen und Vertrauen. Die überseeische Handelsmarine Bremens ist fast so groß, als die des ganzen übrigen Deutschlands; selbst die Hamburgs steht gegen die seinige weit zurück. Von alle dem macht man aber in Bremen wenig Redens und Aufsehens und man ist, nach Holländer Art, zufrieden, wenn auch der Neid der Nachbarn nichts davon reden mag. Der Bremer ist der Mann der That Auch als Deutscher hat er das bewiesen. Als Deutschland mit gebundenen Armen für die deutsche Sache in Schleswig-Holstein sammelte, da gab Bremen 100,000 Thaler, während das zehnmal größere Hamburg kaum 10,000, das achtmal größere Berlin kaum ein Zwanzigstel so viel gesteuert hat.
Der tüchtigste Kern und Halt dieser braven und derben Gesinnung, die durch alle Stände geht, liegt im Bremer Kaufmann. Er ist in der Regel weit gereist, er hat das Leben der Völker von vielen Seiten kennen gelernt, und sein praktischer, beobachtender Blick weiß das Gute und Schlechte mit seinen Ursachen schnell und leicht zu finden. Fast jeder hat einige Jahre in den Freistaaten Nordamerika’s gelebt; und solche Männer können niemals so beschränkte und vernagelte Köpfe seyn, wie die meisten Stubengelehrten oder Kollegienmenschen, welche an der Scholle kleben und Lebenserfahrung in ihren Büchern und Akten suchen. Dabei verliert er nie den soliden Sinn; er hat gesehen und erfahren, daß die Wind- und Wortmacherei überall nichts frommt. „Vorwärts!“ ist und bleibt sein Wahlspruch, aber sein Vorwärts geht nicht in Bockssprüngen, sondern kräftigen, gemessenen Schritts, weil er überzeugt ist, daß nur das allmählig und mühsam Errungene festzuhalten ist, so im Leben des Staats, wie im Leben des Einzelnen.
Der Bremer Kaufmann ist der Mann der Vorsicht, und deshalb sieht er auch jedem Vorschlage und jeder Maßregel der Regierung scharf auf die Finger, und wie „Trau, schau, wem?“ sein Kompaß und sein Grundsatz ist im Handel, so mag er auch von den politischen Schwärmern und Schwindlern nichts wissen, die die alte Welt einreißen wollen bloß darum, um den Bau einer neuen zu probiren. Als ordentlicher Mann will er die Freiheit nur mit der Ordnung. Renommisten, Glücksritter und Projektenmacher, deren Element Unordnung ist, – solche finden niemals seine Unterstützung.
Begreiflicher Weise stehen unter den Gewerben Bremens Rhederei und Schiffbau obenan. Beide werden in Bremen auf das Großartigste betrieben und geben einer Entwickelung zu, die noch keine Grenzen hat. Manches hiesige Haus besitzt jetzt 30 eigene Schiffe auf den Meeren und macht den Frachtfahrer für viele Nationen. Die Rhederei fand neuerlich eine Hauptstütze und eine Haupttriebkraft für ihre Entfaltung in der deutschen Auswanderung. Der nach Amerika gerichtete Menschenstrom geht fast zur Hälfte über Bremen und es würde, wäre die Eisenbahnverbindung zwischen Nord- und Süddeutschland von Bremen ab nicht auf der
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 198. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/204&oldid=- (Version vom 19.7.2025)