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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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bedeutend, als ehedem, bevor der Rübenzucker in den Hinterlanden zu so großem Verbrauch kam. Bierbrauerei ist ein gutes Gewerbe; viel Porter wird ausgeführt. Für die Bereitung von Essig, Bleiweiß, Leder, Fischbein, für Oelraffinerie und Thransiederei sind einige bedeutende Anstalten vorhanden.
Bremens Handelsgröße ruht auf der festesten Grundlage: dem eigentlichen Waarenhandel. Während Hamburg sich vorzugsweise im Besitze des deutschen Binnenhandels hält (sein Hinterland reicht bis nach Oesterreich), hat Bremen den größten Theil von Deutschlands Verkehr mit den nordamerikanischen Freistaaten an sich gezogen. Preußens Versuche, dieses großartige Geschäft theilweise nach Stettin zu leiten, sind gänzlich mißglückt, und auch Hannover hat die früheren Experimente, Emden zur Rivalin von Bremen zu erheben, nicht erneuert. Der Hauptartikel von Bremens Ausfuhr war ehedem der große Stapelartikel Leinewand; aber nachdem durch die Einführung der Maschinenspinnerei sich England der Leinen-Fabrikation bemeisterte, ist dies sonst so kolossale Geschäft gesunken und hat kaum noch ein Fünftel des früheren Werths. – Die gesammte Waarenausfuhr seewärts ist etwa auf 12 Millionen Thaler zu veranschlagen. Die Einfuhr seewärts ist bedeutend mehr. Bremen ist ein großer Markt für Kaffee und Zucker der westindischen Kolonien und Brasiliens, für Reis der Vereinigten Staaten: für Droguen und Kolonialerzeugnisse überhaupt; für Thran und Oel, für Getreide, Rapsaat, Mehl, Schinken, Speck, Butter, Lumpen, Knochen etc. etc.; für Rum, Spriet und französische Weine; für Hanf, Leinsaat; für das Blei vom Harz und das Holz des Thüringer Waldes. – Die hiesigen Seeassekuranzgesellschaften stehen im besten Rufe. Es werden in Bremen jährlich 20–25 Millionen Thaler versichert, und das Geschäft ist noch im Wachsen. Die Bedingungen sind billig, zeitgemäß und geben vollkommene Sicherheit. – Eine seit 1815 in Bremen bestehende Girobank und das nützliche Institut einer Diskontokasse erleichtern die Platzgeschäfte überhaupt. – Von der demoralisirenden Agiotage, von dem Handel und Schwindel in Staatspapieren und Aktien hat sich die Bremer Börse, zu ihrer Ehre und ihrem Heil, bis jetzt frei zu halten gewußt. –
Ein großer Uebelstand der Bremer Schifffahrt, und hinderlich ihrer Entwickelung, war früher der Mangel eines eigenen Hafens an der Wesermündung, da nur solche Schiffe herauf an die Stadt gelangen können, die weniger als 7 Fuß Wasser ziehen. Im Jahre 1829 kaufte Bremen von Hannover für Tonnen Goldes Land an der Wesermündung zu einem Hafen, und es grub ein Bassin von 2600 Fuß Lange, 300 Fuß Breite und 18 Fuß Tiefe aus, das eine ganze Flotte großer Seeschiffe aufnehmen kann; es bauete Magazine und Docks und steckte den Grund zu einer schnell aufblühenden Stadt aus. So entstand Bremer-Hafen, das großartigste und nützlichste Denkmal der Energie und des Gemeinsinns der kleinen Republik.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 200. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/206&oldid=- (Version vom 19.7.2025)