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um jene Zeit menschenleer. Sie gehörten Keinem. Man nannte solche Einöden Reichsboden; die Kaiser hatten das Hoheitsrecht über sie und gaben zuweilen an Ritter und Klöster welche zu Lehen.

So war es auch geschehen, daß der Kaiser der uralten und reichen Abtei Einsiedeln das Weiderecht in mehren Hochthälern verliehen hatte, ohne des Hirtenvolks zu gedenken, daß dort seit Jahrhunderten hütete. Als nun die Heerden des Abts in die Wildniß kamen und das Hutrecht allein ansprachen, gab es Streit. Es rief der Abt den Kaiser um Hülfe an, und Gleiches thaten die Männer von Schwyz. Ihre Boten sagten dem Kaiser ohne Furcht: Unser Recht ist älter und du hast unser Recht zu schirmen; thust du das nicht, so bedürfen wir deiner nicht! Das verdroß den Kaiser; er sprach dem Abt das Recht zu. – Hierauf berieth der Bund der Eidgenossen, und mit der Unerschrockenheit freier Leute beschloß er, dem Kaiser zwar gehorsam zu seyn in allem Recht, aber ihm nicht zu gehorchen im Unrecht. Sie hüteten ihr Vieh fort in den Hochthälern und Einöden und ließen dem Abt sagen, Gott lasse der milchreichen Kräuter vollauf wachsen auf den Alpen, und sie hätten Alle daran genug. Sie wollten sich mit dem Abte friedlich vertragen; wenn er aber Streit begehre, dann wollten sie allein in den Bergen hüten, wie ihre Vorältern gethan. Das wurmte den Abt. Er ging wieder an den Kaiser, und dem verdroß der freie Muth der Waldstätte und er sprach über ihren Bund die Reichsacht aus, und der Bischof von Konstanz warf zugleich den Kirchenbann über das Land. Keine Glocke durfte mehr geläutet werden, kein Priester durfte mehr die heiligen Sakramente reichen, weder Lebenden noch Sterbenden, und die Kirchen sollten geschlossen bleiben, bis gehorcht würde Dem, was der Kaiser geboten hatte. Doch deß erschraken die Männer der Berge nicht. Sie nöthigten ihre Pfaffen, Gottesdienst zu halten wie immer, und jagten die Widerspenstigen aus dem Lande. Es wäre gut, wenn spätere Zeiten ein Beispiel daran genommen hätten überall, wo die Pfaffenhand das Volk gängelt und es zwingen will in der unrechten Gewalt unehrlichen Dienst.

Der Kirche Fluch lag lange auf dem Lande; aber des Segens von Oben wurde darum nicht weniger, und auch das Volk nicht gottloser. Der Eidgenossen Heerden gediehen und ihre Alpen grünten, trotz des Bischofs Bann und des Kaisers Acht, und auch die Leute in Zürich und Aarau und in Luzern und im Berner Land kümmerten sich nicht darum, sondern verkehrten mit den Eidgenossen nach wie vor in guter Nachbarschaft. Das grimmte die Pfaffen und das grimmte den Kaiser; aber als plötzlich Tage kamen, wo der Kaiser in Noth gerieth durch die rebellischen Fürsten und den Trutz der Pfaffen: – da schickte er Boten mit Gruß an die Männer des ewigen Bundes und ließ ihnen sagen, er nähme die Reichsacht von ihnen, und sie sollten sich nicht kümmern um der Pfaffen Rede; aber zu ihm, ihrem Herrn, sollten sie stehen im Krieg gegen seine und des Reiches Feinde. Der Kaiser that wie seines Gleichen allemal gethan haben, wenn sie in Noth geriethen, und die Eidgenossen thaten auch, wie vom Volk allezeit geschehen ist, wenn die Fürsten im Pech saßen und Honigseim im Munde führten.