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Es zogen 600 tapfere Bursche aus, die besten und kühnsten, zu des Kaisers Heerlager. Sie bluteten in seinen Schlachten. Wenige kehrten heim.

Um selbige Zeit lebte ein Herr im Schweizerland, der war hochgeehrt wie keiner im ganzen Reich. Sein Schloß stand auf dem Wüspelberge im Aargau, in der Mitte seiner Herrschaft. Selbige streckte sich über viele Gauen und Thäler aus. Graf Rudolph von Habsburg war zugleich auch Vogt und Schirmherr vieler Städte des Schweizerlandes; denn es bedurfte festen Zusammenstehens in jenen Zeiten, wo das Reid gespalten war durch inneren Zwist; wo weltliche und geistliche Macht in Unfrieden lebten; wo der raub- und herrschsüchtige Adel überall seine Streitaxt erhob, um den freien Landmann zu jochen und Flecken und Städte zu schatzen.

Die Eidgenossen hatten sich mit dem reichen und mächtigen Zürich gegen den Adel verbunden, der, des Reichs Verwirrung benutzend, von seinen Burgen niederstieg, um zu nehmen und zu schatzen überall, wo was zu haben war. Die Verbündeten aber wählten den Grafen Rudolph zu ihrem Feldhauptmann; denn der wollte von der ritterlichen Diebsgenossenschaft nichts wissen.

Da geschah es, daß die unter sich uneinigen Fürsten einen neuen Kaiser küren mußten. Keiner gönnte dem anderen die Ehre und die Macht, und keiner traute dem anderen: – da sagte der Kurfürst von Köln: „Suchen wir nach dem redlichsten Manne im Reich, der geliebt ist von Gott und den Menschen, nicht nach dem mächtigsten“. Und gewählt wurde Anno 1272 Herr Rudolph von Habsburg im Schweizerland zum römischen Kaiser und König über ganz Deutschland. Sitzend auf dem ersten Thron der Christenheit vergaß Herr Rudolph doch nicht die Lande und die Völkerstämme seiner Heimath. Er sicherte dem Landmann seine Freiheit, gab den Städten Rechte und Einrichtungen zum Schirm gegen den Adel, der sich überall herangedrängt hatte, um zu herrschen, und dem freien Bunde der Eidgenossen, Schwyz, Uri und Unterwalden, sicherte er Reichsunmittelbarkeit zu für ewige Zeiten. Ueberall in der Schweiz verbriefte er des Volkes Freiheit und Recht und stärkte den Sinn, diese größten Güter männiglich zu behaupten. Guten Fürsten hat noch jedesmal das Volk mit Dank und Liebe gelohnt. Auch die Schweizer ließen’s daran nicht fehlen. Sie gaben dem Kaiser freiwillig ihre Tapfersten zum Heer. Auf des Kaisers Zügen zur Züchtigung der widerspenstigen Fürsten und zur Ausrottung des Raubadels, den er verbrannte in seinen Schlössern oder aufhenkte an seinen Burgthoren, thaten sich die Schweizer mit angeerbter Tapferkeit hervor. Und wenn der Kaiser Geld brauchte, so ließ er es den in der Freiheit reich gewordenen Schweizer Städten wissen, und sie gaben ihm allezeit mehr in Lieb’, als die Gewalt je von ihnen hätte erlangen können.

Aber Rudolph starb, und sein Sohn Albrecht, der römische König, der Anwart der Kaiserkrone, war kein Rudolph. Nur auf die Vermehrung seiner Hausmacht war sein ganzes Dichten und Trachten gerichtet, und