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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Landenberge und ihres Gleichen, und sie bauten Zwingburgen und thaten, wie ihnen ihr Herr befohlen hatte. Und mit ihnen hielten’s die Adeligen, wie diese gemeinlich zu thun pflegen, wann es der Unterdrückung von Land und Leuten gilt. Da war kein Recht mehr beim Bürger und Bauer, und nur noch das Recht bei den Stärkern. Alle Ruchhlosigkeiten wurden an dem Volke geübt. Hohn antwortete auf jede Bitte, und jede Beschwerde wurde als Rebellion an Leib und Leben oder der Freiheit gestraft. Die Büttel und Henker hatten viele Arbeit und die Kerkermeister ihre goldene Zeit. – Sorglos hausten die Zwingherren, gestützt auf die kaiserliche Macht. Mit Ihren Rittern und Beamten sammelten sie glühende Kohlen auf ihren Häuptern, und sie thaten es lachend; das Volk aber knirschte mit den Zähnen und verließ sich auf den gerechten Gott, den Rächer aller bösen That und den Schützer der unveräußerlichen Rechte der Menschen. Sie lauerten auf die günstige Stunde, die nie ausbleibt, wenn ein Volk entschlossen ist, für den Wiederbesitz seines Rechts Leib und Leben zu wagen. Dazu waren die Eidgenossen bereit.
Und die Stunde schlug unversehends. Des Tell’s That fiel wie ein Funke auf den Zunder, den die lange Tyrannei aufgehäuft hatte. Am ersten Morgen des Jahres 1308 loderten die Feuer auf den Alpen. Auf stand das Volk. Mit den Männern von Schwyz zog Stauffacher, der auf dem Rütli mitgeschworen hatte, an den Lowerzsee, brach die Burg von Schwanau und vertrieb den Vogt. Gleichzeitig zogen die Männer von Uri aus und Geßler’s Zwinghof wurde eingenommen. Das war der Freiheit Neujahr.
Die Schweizer hatten ihr altes Recht zurückgenommen; aber was galt das dem Fürsten, der kein anderes Recht gelten ließ, als seine Willkür! Er that die Eidgenossen in die Acht, schalt sie Rebellen, und auf daß an ihnen ein Exempel statuirt werde, zog er aus mit Reißigen, Herren und Grafen: eine zahllose Schaar. Mit ihm war Johann von Schwaben, sein Vetter und Mündel, dem Albrecht sein väterlich Erbe treulos vorenthielt. Da geschah es, daß, als der Kaiser auf dem Schweizerzuge mit wenig Gefolge ritt, Johann, das Herz voll Rachsucht, den Augenblick wahrnahm und dem Herrscher den Speer durch die Gurgel mit dem Zuruf sties: „Hie Lohn des Unrechts!“ Nach vollbrachter That floh er und Alle, die mit ihm verschworen waren. Der Schwerverwundete blieb am Wege liegen. So fand ihn eine Bettelfrau. Der Kaiser der Deutschen starb in ihrem Schoose.
Die Schweizer hatten nun für den Augenblick Ruhe; denn den Angehörigen Abrecht’s lag die Blutrache näher an, als die Unterdrückung. Albrecht’s Kinder, Leopold von Oesterreich und Agnes, der Ungarn Königin, mit der Wittwe des Erschlagenen, Kaiserin Elisabeth, kamen nach der Schweiz, Blutgericht zu halten über Diejenigen, von denen man glaubte, sie seyen Mitwissende von Johanns Mord. Die Burgen der berühmtesten Geschlechter wurden geschleift, ihre Güter eingezogen. Die Männer, standrechtlich verurtheilt, wurden mit gebrochenen Gliedern lebendig auf’s Rad geflochten, den Vögeln zum Fraß, vor den Augen der winselnden Weiber und
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 213. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/219&oldid=- (Version vom 19.7.2025)