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daß er ihnen Sieg verleihe um der Freiheit willen, – drangen sie unerschrocken auf die Reihen des zehnmal stärkern Feindes ein. Der versah sich solcher Kühnheit nicht und, weil unvorbereitet, geriethen seine dichtgedrängten Massen bald in Verwirrung. Unter den Morgensternen, Spießen und Hellebarden der Hirten sank des Adels Blüthe in den Staub. Das war die Schlacht von Morgarten, der Eidgenossen erster Sieg. Leopold selbst entkam. Auf der Flucht fanden aber noch viele Ritter und Herren im See ihren Tod, in den sie von einer luzerner Hülfsschaar gedrängt wurden. –

Und nun will ich Euch berichten von dem blutigern Streit in der Schlacht bei Sempach. Das soll Euch ein anderer erzählen, der es besser kann, als ich[1].

Das Haus Oesterreich hatte nach der Niederlage bei Morgarten allen Eidgenossen den Tod geschworen. Es hatte nicht Friede, so lange der Schimpf nicht ausgewaschen war mit Blut. Herzog Leopold, ein Enkel des bei Morgarten geschlagenen, kam mit dem burgundischen und deutschen Adel heran zum Rachewerke. – Die Schweizer standen gerüstet. Sie waren bereit zum Tod oder zum Sieg, je nachdem es Gott über sie fügte. Keiner fehlte, keinem brach der Muth.

Es war zur Erntezeit. Das Heer des Herzogs zog über die Reuß durch die freien Aemter Aargau’s hinan über Sursee gen Sempach, dem Städtchen an einem kleinen, grünen See gelegen, 3 Stunden von Luzern. Alles umher war Fruchtbarkeit. Die Kornfelder prangten noch in ihrem Reichthum und über ihnen stieg ein hoher Laubwald den Berg hinan. In dem Walde standen die Eidgenossen. Jede Schaar bei ihrem Banner.

Es war Montags Morgen am 9. des Heumonds 1386. Die aufgehende Sonne vergoldete die Berghörner. Der Wald rauschte sein Morgenlied. Da zitterte der Boden von den Hufen vieler tausend Pferde. Und von der Höhe jenseits sah man Helme und Panzer und Lanzenspitzen blitzen. Herzog Leopold war’s, der Rächer. Wohlgeordnet zog der Reitertroß hinab in’s Thal. Jede Knechtschaar mit ihrem Baron, jeden Gaues Reiter mit ihrem Bannerherrn; die Amtleute aus Oesterreich mit ihren Fähnlein; und ihnen nach wälzte sich in dichten Massen das Fußvolk, Haufe hinter Haufe, jeder sein Feldzeichen in der Mitte. Es war nicht zu zählen. Das Häuflein der Eidgenossen erschien gegen Leopold’s Heer wie ein Bächlein gegen den Rheinstrom.

Die Schweizer fielen auf ihre Kniee und riefen Gott an, daß er Recht und Freiheit schütze. Dann erhoben sie sich. Sie rückten heraus zum Saum des Waldes; vier Hundert von Luzern, neun Hundert aus den Waldstätten, Hundert aus Glarus, Zug, Gersau, Entlibuch und Rothenburg.

Als der Herzog Leopold die Bauern heranrücken sah, – da rief er mit Verachtung: Soll man sagen, daß wir sie mit ungleichen Waffen überwunden? Laßt uns absteigen und die Pferde den Knechten geben, auf daß diese von


  1. Nach Johannes von Müller; doch nicht wörtlich.