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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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ferne zusehen. Keiner sage, es sey ein unehrlicher Kampf gewesen! Und der Adel stieg von seinen Pferden, und gab sie den Dienern und stellte sich, enggeschlossen, wie eine stählerne Mauer, mit vorgehaltenen Lanzen in 4 Reihen hinter einander auf. Vergeblich warnte der alte kriegserfahrene Ulrich von Hasenburg: „Hoffahrt sey zu nichts nütze;“ er hatte Spott zum Lohn. Der Herzog ließ vielmehr dem v. Bonstetten, welcher das Fußvolk führte, sagen, er solle Halt machen; denn der Adel wolle die Bauern allein niederwerfen! Und als Andere doch Bedenken äußerten, daß man die Lanzknechte in so großer Entfernung hielt, und meinten, „daß auf Schlachtfeldern der unvorhergesehene Zufall oft Herr sey“ und Einer durchaus wollte, daß der Herzog sich hinter die Front begebe und nicht unmittelbar Theil nehme an der Schlacht, so rief er aus: Mit Euch will ich die Bauern erschlagen oder mit Euch umkommen!
Die Eidgenossen rückten herzu. Sie kamen in schmaler Ordnung und führten schlechte Waffen. Einige trugen die Hellebarden, mit denen bei Morgarten ihre Väter gestritten, andere die verrosteten Ritterschwerter, welche sie dort erbeutet hatten; andere trugen die Schilder der damals erschlagenen Ritter am Arm, oder an ihrem Leib Fetzen von Panzerhemden und Theile von Rüstungen, mehr sie hindernd, denn sie schützend. Es war ein elender Anblick und die Ritter Leopold’s lachten und spotteten. Hundert Schritt vor Leopold’s Schaar machten die Bauern Halt. Sie knieten auf den Boden nieder, legten die Waffen von sich und falteten die Hände und beteten ihr Schlachtgebet. Dann sprangen sie im vollen Laufe mit Kriegsgeschrei gegen die enggeschlossenen Reihen der Feinde. Der schmale Keil der Eidgenossen drang ein, sie hofften durch den Stoß die Eisenmauer zu durchbrechen. Vergeblich. Mann um Mann sank. Sechzig Leichen lagen am Boden. Von den Feinden keiner.
Die Eidgenossen prallten zurück. Ihr Muth war nicht gewichen; aber sie wußten sich nicht zu rathen.
Da erscholl Leopold’s Kommandoruf. Das Ritterheer gerieth in Bewegung. Mit Gerassel änderte es seine Schlachtordnung. Die hinteren Glieder verlängerten die Front – und im weiten Halbmond streckte sie sich aus, die Bauern einzuschließen.
In diesem Augenblick der Unschlüssigkeit und der Gefahr sprang jählings aus dem Fähnlein der Unterwaldner ein hoher starker Mann hervor und rief mit durchdringender Stimme:
Das war der Arnold Struthan von Winkelried. Und geradezu auf das Banner Oesterreichs stürzte er los – wendete sich noch einmal und sprach: „Liebe Eidgenossen, tragt Sorge für mein Weib und Kind!“ – Im andern Augenblick umschlang er mit seinen Armen so viel Lanzenspitzen, als er fassen konnte, begrub sie in seine Brust und drückte im Fallen sie mit der Wucht seines Körpers zu Boden. Nun stürmten die Eidgenossen über des Helden Leiche in die Lücke der feindlichen Mauer, trennten sie und die des Fußkampfes ungewöhnten,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 216. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/222&oldid=- (Version vom 20.7.2025)