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DCXXXXVIII. Illock in Ungarn.




Tief im Ungarlande, dort, wo die Drau sich mit der Donau vereinigt und die Völker scheidet, hart an der Mark des Slavenlandes, blickt ein altväterisches Kastell von seiner Bergzinne auf die Ströme und auf die Landschaft nieder. Das ist Illock, das Schloß, und am Bergabhange steht das Kloster. Rundum ist Alles klassischer Boden. Dort erkämpfte Rom vor 18 Jahrhunderten mit deutschen Kriegern seine Siege über die freien Völker Thraciens, von dorther holten seine Konsuln und Cäsaren die gefangenen Fürsten und Feldherren der Ueberwundenen zu den Triumphzügen, mit denen sie das eitle, gaffende, ehrsüchtige Volk der Siebenhügelstadt ergötzten; dort, wo die römischen Heerstraßen sich kreuzten, wo so viele römische Städte und Niederlassungen standen, errichteten die Kaiser jene erstaunenswürdigen Werke der Befestigungskunst, an deren Besitz sich auch noch in spätern Zeiten die Herrschaft über die strategisch wichtigsten Punkte des Landes knüpfte. – So weit das Auge dringen kann von Illock’s Thürmen, so weit ist Alles Schlachtfeld, wo, von den Zeiten der Sage an bis zum heutigen Tage, Völker und Miethlingsheere mit einander rangen, Landräuber mit Beraubten, Unterdrücker mit Unterdrückten, und Freie den Knechten unterlagen, die daher kamen, um jenen die Freiheit zu stehlen auf ihrer Herren Geheiß. Rom hatte in diesen Gegenden eine Centralposition seiner Macht genommen, von welcher aus es die Länder der untern Donau mit eiserner Faust in seinem Joche hielt. In den ausgedehnten und unüberwindlichen Verschanzungen, welche es in dem Winkel zwischen der Drau und Donau anlegte, hatten jene Veteranen, welche in den Schlachten der Republik und des Kaiserreichs sich müde gerungen, und jene gefürchteten deutschen Legionen ihre Standquartiere, deren Stärke und Tapferkeit jeden Kampf zum gewissen Siege wendeten. Dort war es auch, wo die Römer zur beständigeren Sicherung ihrer Macht eine großartige militärische Ansiedelung deutscher Volksstämme versuchten, auf welche noch manche Sage und mancher Ortsname Bezug nehmen. Das volkreiche Teutoburgum (Burg des Teut) war in dieser Landschaft gelegen.

Durch ein wunderliches Spiel des neckischen Zufalls ist jetzt in derselben Gegend, wo noch so viele Ruinen von Gebäuden und Denkmälern Zeugen sind von der einstigen Herrschaft des alten Roms, eine neurömische Herrschaft erstanden; denn Illock mit dem Land weit umher ist Eigenthum eines römischen Fürstengeschlechts, der Odescalchi. Erscheint dieses Zusammentreffen nicht wie eine Ironie des Schicksals? Roms