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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Tempel liegen zerbrochen umher; seine Cyklopenwerke, die Finger seiner Macht, sind zerfallen; Dornen wuchern auf den Gräbern seiner Städte; seine Wasserleitungen, Viadukte, Cirkus sind versunken; umgestürzt sind die Denksäulen und Obelisken, und die Grabmäler verschütteten den Staub ihrer Helden längst: aber auf dem Fels, von welchem die Cäsaren, umgeben von ihren Prokonsuln und Feldherren, niederschauten auf eine Welt, die ihr eigen war, so weit der Gedanke reichte, schlürft jetzt ein Fürst des neuen Roms Tokayer, und Diener in seidenen Strümpfen und im Brocadkleide sind gewärtig, Seiner Durchlaucht Befehle Verwaltern über Leibeigene zu bringen. Glücklicher Odescalchi! Es war ein pikanter Einfall, dich berufen zu glauben, Rom’s Herrschaft an der Donau zu erneuern und auf den Gräbern der Weltgebieter dein Zeltlein aufzuschlagen. Doch hast du’s mit Anstand und Geschmack gethan. Illock ist wirklich eine der schönsten Herrschaften Ungarns und des Schlosses innere Einrichtung des Herrn würdig. –
In dem Kriege, welcher in unsern Tagen über das Schicksal des Magyarenlandes so tragisch entschieden hat, ist Illock öfters genannt worden. Beim Ausbruch der Revolution verließen die Odescalchi das Land. Die ersten blutvollen Scenen jenes Drama’s – der grausige Kampf der Magyaren mit den Serben – spielten in seiner Umgebung. Später wechselte Illock’s Besitz unter den Streitenden mehrmals, je nachdem das Glück der Schlachten bald jene, bald diese Wagschale sinken oder steigen machte. Die härtesten Kämpfe wurden im Frühjahr und im Sommer des Jahrs 1849 in seiner Nähe gefochten, als Jellachich und seine Unterfeldherren mit ihren Kroaten und Serben in den Römerschanzen standen und sich Monate lang gegen die täglichen Angriffe der Ungarn vertheidigen mußten. Der magyarische Muth scheute in diesen Tagen vor dem Unmöglichen nicht zurück; denn die Position der Serben in den Römerschanzen, die in der Fronte von weit ausgedehnten Sümpfen geschützt und im Hintergrunde von den Fluthen der Drau und Donau gedeckt war, konnte kaum angegriffen, geschweige überwunden werden. Unsägliche Tapferkeit und nur zu viel des edelsten Bluts wurden vergeblich vor diesen Werken geopfert.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 222. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/228&oldid=- (Version vom 20.7.2025)