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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Paris ist der „ewige Kalender“ der Geschichte. Auf jedem Schritt begegnen wir dort Menschen, Ereignissen und Bestrebungen, welche einem Jahrhundert oder Jahrtausend voraneilen, oder die uns zurückführen in längst entschwundene Zeiten, und wie in einem aufgeschlagenen Buche liegen vor und die Meinungen und Gesinnungen, die Dummheiten und die Witzworte, die Niederträchtigkeiten und Großthaten, der Ernst und der Leichtsinn der Franzosen von heute und gestern. In Paris sollte der Beobachter tausend Augen und Ohren haben, alles Merkwürdige zu sehen und zu hören, und tausend Köpfe, um Alles aufzufassen, sich anzueignen und zu verarbeiten.
Der Leser und ich, wir haben schon manche Exkursion in der Weltstadt zusammen gemacht. Heute fangen wir unsere Wanderung von jenem interessanten Punkte an, wo die Magdalenenkirche steht, das Prachtstück der neuern Baukunst. Dort, wo die Boulevards der Chaussee d’Antin und von Saint Honoré zusammenstoßen, beginnt das aristokratische Paris. Die Millionairs, die großen Rentner, die Fürsten der Börse, der Geburt und des Amtes haben in diesem Viertel ihre Wohnungen; – dort ist jenes Paris, welches an architektonischer Pracht in der Welt seines Gleichen nicht hat. Wir gehen von der Madelaine über den Vendomeplatz mit seiner Kaisersäule, vorbei dem Café Tortioni, wo die Rothschilds und Foulds nach dem Schluß der Börsenzeit ihre Operationen fortsetzen, an welchen der Kredit und öfters das Wohl und Wehe ganzer Reiche kleben. Wir betrachten mit Wohlgefallen ein mit köstlichen Skulpturen bedecktes Gebäude und sind erstaunt, zu hören, daß es nichts weiter sey, als ein Kaffeehaus, das Café de Paris, das Rendezvous der Politiker der vornehmen Welt und der Männer der Wissenschaft. Ein heiterer großer Bau in einiger Entfernung ist ein Tempel der Kunst: – das Theater des Varietés, wo Brunets Spiel ein Menschenleben lang die Pariser entzückte. In der Rue Montmartre und in der anstoßenden Rue St. Denis zeigen sich die alten Wohnsitze des Hofadels aus den Zeiten des Königthums: Paläste und Hotels im Style des siebzehnten Jahrhunderts. Die Straße St. Denis hat ihren Ausgang auf den Boulevards und endigt mit einem Triumphbogen. Imposant erhebt sich derselbe (die Porte St. Denis) auf einer Basis von 5000 Quadratfuß hoch über alle Gebäude. Blondel, der größte Architekt seiner Zeit, hat ihn errichtet. Edle Einfachheit des Styls und das reine Ebenmaß
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 225. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/231&oldid=- (Version vom 20.7.2025)